Piercings – von kultureller Tradition zum Kultobjekt

Piercings sind keine Erfindung der Neuzeit, sie haben eine weit längere Tradition, als du vielleicht denkst. Seit den 1990er-Jahren sind Piercings aus der Gesellschaft nicht mehr wegzudenken. Vorher hatten höchsten Punks und Mitglieder der Independant-Szene Schmuck an ungewöhnlichen Stellen des Körpers – damals hatte das noch einen rebellischen Touch. Obwohl der hübsche Körperschmuck immer noch mit einigen Vorurteilen zu kämpfen hat, so ist er doch im Laufe der Zeit immer „salonfähiger“ geworden.

Ringe in den Nasen, Bananenstecker an den Augenbrauen oder auch eine schimmernde Kugel, die beim Lachen auf der Zunge sichtbar wird, sind heute keine Seltenheit mehr und ziehen sich durch nahezu alle Gesellschafts- und Altersschichten. Hast du dir schon einmal Gedanken darüber gemacht, wie es überhaupt zu diesem Trend gekommen ist? Menschen mit Piercings gehören heute zum allgemeinen Stadtbild und sind für die Träger ein Symbol für einen uneingeschränkten Freigeist und einen individuellen Lebensstil. Natürlich ist er auch einfach ein attraktiver Schmuck, der die unverwechselbare Persönlichkeit unterstreicht. Trägst du deine Piercings für jeden offen sichtbar, so sind sie deine Markenzeichen, trägst du sie hingegen verdeckt, so sind sie dein kleines Geheimnis – beides ist gleichermaßen spannend wie verführerisch. Mittlerweile sind mehr als 5 Millionen Menschen in Deutschland gepierct, und die Zahlen steigen jedes Jahr weiter an. Piercings sind also wie auch Tattoos kein kurzer Trend, der wie ein One-Hit-Wonder wieder abebbt, sondern eine Entwicklung, die ihren Höhepunkt noch lange nicht erreicht hat.

Ein Blick hinter die Kulissen

Es lohnt sich, mal einen Blick in die Geschichte der Piercings zu werfen, denn den Körper mit Schmuck zu verzieren, hatte bereits eine sehr lange Tradition, lange bevor er zum Kultobjekt avancierte.

Piercings waren bereits vor vielen Jahrhunderten auf einigen Kontinenten verbreitet, doch hatten sie damals einen ganz anderen gesellschaftlichen und kulturellen Stellenwert. Es gibt Hinweise, dass der Körperschmuck bereits vor Christi Geburt auf den Kontinenten Amerika, Afrika und Asien weit verbreitet waren. Es wurden Mumien gefunden, die mit traditionellem Schmuck beerdigt wurden oder denen man Schmuckstücke, die den heutigen Piercings entsprechen würden, ins Grab beigelegt hat. Ein Beispiel: Für die Pharaonen in Ägypten waren Piercings (hauptsächlich an den Ohren) ein üblicher Schmuck, der den gesellschaftlichen Status widerspiegelte.

Doch vermutlich reicht die Geschichte des kulturellen Schmucks noch deutlich weiter in die Vergangenheit. Bei den Urvölkern Asiens, Amerikas und Afrikas waren geschmückte Ohren, Lippen oder auch Genitalien ein Symbol der Zugehörigkeit. Bei rituellen Zeremonien wurde ein Junge mithilfe verschiedener Schmuckstücke zum Mann erklärt. Die traditionellen Schmuckstücke bestanden aus natürlichen Werkstoffen wie Holz, Knochen, Ton oder verfügbaren Metallen. In Asien werden sogar Buddha-Figuren mit großen Ohrringen gezeigt. Piercings haben also durchaus auch einen religiösen Bezug.

Traditionelle Piercings in der Neuzeit

Auch heute noch gibt es viele Völker und Stämme, die mit klassischem Körperschmuck ihre Zusammengehörigkeit unterstreichen. Natürlich dienen auch in diesen Ländern Piercings als Schönheitsmerkmal. Sicherlich hast du schon einmal Bilder oder Dokumentationen gesehen, die afrikanische und amerikanische Frauen mit Tellern in den Lippen zeigen, oder Männer, die sich dicke Knochen durch das Septum oder die Wangen gestochen haben. All dies sind Piercings, die zu denen, die wir heute in unserer Gesellschaft kennen, geführt haben. Du hast dich schon mal gefragt, wie die Frauen so große Teller in die Lippen einsetzen können? Das funktioniert nicht anders als bei den uns bekannten und beliebten Flesh Tunnels. Auch wenn es vollkommen anders und für einige vielleicht sogar befremdlich ausschaut, so ist das Prinzip exakt das gleiche – mit dem Unterschied, dass bei den kulturellen Völkern die Größe des Tellers auch Auskunft über die Position und das Ansehen im Stamm aufzeigt.

Im Hinduismus, der drittgrößten Religion nach dem Christentum und dem Islam, ist es Tradition, Kindern im Alter von drei bis vier Jahren Ohrlöcher im Rahmen einer feierlichen Zeremonie zu stechen – sowohl bei Jungen als auch bei Mädchen. Die goldenen Ohrringe sollen die Kleinen ein Leben lang vor Krankheiten und Unheil beschützen. In Indien sind zudem Nasenstecker und Ringe so normal wie bei uns Ohrlöcher.

Spirituelle Piercing-Rituale

In Ländern wie Malaysia oder Thailand hat das Stechen von Piercings auch spirituelle Hintergründe. Die Rituale dienen weniger der Verschönerung des Körpers als viel mehr der Besänftigung bösartiger Geister und Dämonen. Es werden Götter beschworen, um die Familie bzw. das Dorf von Krankheiten, Katastrophen und anderen Heimsuchungen zu bewahren. Sich die Haut mit allen möglichen Gegenständen und Materialien zu durchstechen, ist eine ehrbare Aufgabe, um für Schutz für sich und die Familie zu bitten. Zu diesen Ritualen versetzen sich die Teilnehmer in einen tranceartigen Ekstasezustand und tanzen wild auf den Straßen. Sie werden von den Bewohnern des Dorfes wie Helden gefeiert. Solche Zeremonien haben für die Menschen dieser Regionen eine besonders tiefe und emotionale Bedeutung.

Ähnliche verhält es sich auch mit den Ritualen der „Native Americans“, den Ureinwohnern Amerikas. Hier durchstechen sich hauptsächlich (aber nicht ausschließlich) die Männer während ritueller Tänze die Haut, um die Götter milde zu stimmen. Oftmals sind auch hier Wünsche an die Götter mit diesen Zeremonien verbunden, z. B. die Bitte für eine gute Ernte oder einen reichen Kindersegen. Diese außergewöhnlichen und bewegenden Feierlichkeiten können sich über Tage hinweg erstecken und sind eine Ehre für jeden Teilnehmer.

Piercings in der Moderne

Heutzutage sind Piercings tagtäglich auf den Straßen zu sehen. Jeder, der sich einen solchen Körperschmuck wünscht, kann zum nächsten Piercer gehen und sich verzieren lassen. Doch auch heute noch gibt es Bevölkerungsgruppen in unseren Breitengeraden, für die ein Piercing eine besondere Bedeutung hat. Ein gutes Beispiel sind Zimmermänner, die auf die Walz gehen. Sie durchstechen sich mit einem Nagel das Ohr und tragen ihren Ohrring als Symbol für ihren Berufsstand.

Lange Zeit war ein Ring am rechten Ohr bei einem Mann auch ein untrügliches Zeichen für seine Homosexualität – diese Zeiten sind jedoch lange vorbei! Wir leben in einem Zeitalter, in dem jeder für seine Rechte eintritt, um nicht in Schubladen geschoben zu werden oder altbackenen Klischees zu entsprechen. So steht es heute jedem frei, sich sooft und an so vielen Stellen wie gewünscht piercen zu lassen, ohne damit automatisch eine bestimmte Botschaft zu senden. Piercings sind eine moderne Kunstform, den eigenen Körper zu individualisieren – ihn zu modifizieren. Deine Piercings haben ausschließlich die Bedeutung, die du ihnen selbst verleihst. Findest du deinen Schmuck einfach schön? Haben die Piercings einen erotischen Reiz für dich? Sind sie vielleicht sogar ein Fetisch? Trägst du mit deinem Partner oder deiner Partnerin ein Paar-Piercing? Erlaubt ist, was gefällt!

Fazit: Wie du siehst, hat das Piercing, das du gerade trägst, eine lange Geschichte zu erzählen. Auch wenn es heute kaum noch darum geht, dem Schmuck eine bestimmte Bedeutung zuzuschreiben, so ist es doch interessant zu wissen, wie es zu diesem Trend gekommen ist.

Dermal Anchor – Piercings auf den Punkt gebracht

Der Dermal Anchor (auch Microdermal genannt) zählt zur Gruppe der Single-Point-Piercings. Dieses spezielle Piercing hat einen ganz besonderen Stellenwert, da der Schmuck nur an einem Punkt in der Haut verankert wird. Es gibt keinen typischen Stichkanal, und das Piercings wird auch nicht an zwei Stellen, wie z. B. mit einem Ring, einem Bananenstecker oder einem Barbell fixiert. Beim Dermal Anchor gibt es keine Ein- und Austrittsstelle, sondern lediglich eine einzelne kleine Wundöffnung, die dem Schmuck als Tasche dient.

Surface Piercings, zu denen auch der Dermal Anchor gehört, beschreiben Piercings, die oberflächlich in die Haut gesetzt werden. Wie lange der Dermal Anchor in der Haut verbleibt, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Manche verlieren den Schmuck bereits nach einigen Tagen, andere können ihn über einen langen Zeitraum tragen, ohne dass er herausfällt. Im Gegensatz zu „normalen“ Piercings kann der Dermal Anchor nahezu überall am Körper gesetzt werden, selbst an den Stellen, an denen klassische Piercings sonst nicht gestochen werden können.

Ein spannender Blickfang

Ein Dermal Anchor zu setzen, ist ein sehr kleiner Eingriff, den die Haut in den meisten Fällen selbst schnell und unkompliziert ausheilen lässt. Die kleine Wunde bedarf zwar deiner Aufmerksamkeit und einer guten Pflege, ansonsten ist bei dieser Art von Piercings nichts anderes zu beachten als bei anderen Piercings mit Stichkanal.

Dermal Anchors werden einzeln gesetzt, so kannst du mit ihnen einen bestimmten Bereich deines Körpers besonders betonen oder einen echten Eyecatcher setzen. Der Schmuck lässt sich auch wunderbar in Mustern, Linien, Wellen und Formen anordnen. So kannst du ganz Kunstwerke auf und in deine Haut zaubern. Grenzen werden hier nur durch deine Fantasie gesetzt.

Der Aufbau eines Dermal Anchors

Der Dermal Anchor besteht aus einer kleinen Titanplatte, die unter die Haut in eine kleine Gewebetasche gesetzt wird. Auf diesem Plättchen steckt ein kleiner Stab mit einem Innengewinde. Dieser Stab ist die Verbindung zwischen Platte und Schmuckstein. Der Schmuckstein selbst bildet dann den Teil, der auf deiner Haut zu sehen ist. Er wird in dem kleinen Stab fest verschraubt und lässt sich austauschen.

Wie wird ein Dermal Anchor gesetzt?

Um den Dermal Anchor in der Haut zu fixieren, wird mithilfe eines Biopsy-Punch ein kleiner Stich bzw. ein Minischnitt in die Haut gemacht. Einige Piercer verwenden auch Skalpelle, um die Haut mit viel Feingefühl zu eröffnen. So bildet sich eine kleine Wunde, die als Tasche für die Titanplatte deines Dermal Anchors dient.

Wichtig! Nach dem Einsetzen muss das Schmuckstück für ca. eine Woche mit einem Wundpflaster fixiert werden. Nur so hat dein Hautgewebe die Chance, zu heilen, sich um die Platte und den Stift zu legen und wie gewünscht zu verwachsen. Auf diese Weise kann sich das Piercings im Gewebe richtig festsetzen. Anderenfalls ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass du den Schmuck sofort wieder verlierst oder er sich bei der kleinsten Berührung (z. B. auch durch Kleidung) löst und herausfällt. Außerdem verhinderst du mit dem Pflaster, dass Keime oder Schmutz in die Wunde gelangen. Nach dieser Woche kannst du es dann entfernen, bis dahin sollte die Wunde gut verschlossen sein. Dennoch ist in den nächsten Wochen noch äußerste Vorsicht geboten.

Darauf solltest du beim frisch gesetzten Dermal Anchor achten

Wie bei jedem anderen Piercing auch, ist die richtige Pflege entscheidend für den Heilungsverlauf. Am besten verzichtest du während des Heilungsprozesses für mindestens zwei Wochen auf Sport, Sonnenbaden, Sauna, Solarium und Schwimmen. Wichtig ist, dass du deine kleine Wunde immer sauber hältst – genau wie bei jedem anderen Piercing. Achte darauf, dass deine Kleidung weit genug ist, damit dein Dermal Anchor weder durch Reibung noch durch Fusseln gereizt oder sogar gelöst wird. Es versteht sich fast von selbst, dass du im Bereich deines Dermal Anchors auf Make-up, Parfums oder andere Duftstoffe und Cremes verzichten solltest. Stattdessen empfiehlt es sich, dein Dermal Anchor 2- bis 3-mal täglich mit einem Desinfektionsspray zu reinigen. Dabei solltest du auf eine besonders penible Hygiene achten. Säubere Dein Dermal Anchor nur mit gewaschenen Händen und verwende Wattestäbchen zur Reinigung der kleinen Wunde.Bildet sich ein kleiner Schorfkrümel, kannst du diesen mit warmem Wasser aufweichen und mit dem Wattestäbchen vorsichtig ablösen. Wichtig ist, die Stelle nicht zu verschmutzen oder unnötig zu reizen.

Sollten Rötungen, Entzündungen oder andere Hautirritationen wie Juckreiz oder Nässen auftreten, kannst du eine entzündungshemmende und beruhigende Salbe verwenden (z. B. Tyrosur). Nicht vergessen, bei jeder Pflege auch das Wundpflaster zu wechseln. Warte mit dem Austausch des Schmucksteins bzw. des Aufsatzes, bis die Wunde vollständig ausgeheilt ist. Der gesamte Heilungsprozess dauert im Normalfall zwischen 4 Wochen und 3 Monaten. Bei einem ungesunden Lebenswandel, gesundheitlichen Problemen oder negativen äußeren Einflüssen kann die Haut auch mehr Zeit benötigen, um sich zu regenerieren und zu heilen – ebenso wie bei jedem anderen Piercing.

Bei ernsthaften Komplikationen, Schmerzen, die über die normale Wundheilung hinausgehen, der Bildung von Eiter- oder Wundblasen solltest du deinen Piercer kontaktieren. Er kann am besten beurteilen, welche Behandlungsmethode die richtige wäre.

Beliebte Stellen für Dermal Anchors

Da Dermal Anchors nahezu am ganzen Körper setzen lassen, gibt es kaum eine Stelle, die sich für diesen extravaganten und auffälligen Schmuck nicht eignet. Besonders beliebt sind Dermal Anchors im Bereich der Schlüsselblätter, des Dekolletés, des Rückens entlang der Wirbelsäule, des Nackens oder auch im Kopf- und Gesichtsbereich. Hier werden die Schmucksteine vorzugsweise hinter den Ohren, unter oder zwischen den Augenbrauen oder auch wie eine kleine funkelnde Träne unter dem Auge gesetzt. Natürlich lassen sich Dermal Anchors auch an Beinen, Armen und Fingern oder am Bauch (über- oder unterhalb des Bauchnabels), im Bereich der Leisten und im Schambereich platzieren.

Als besonders praktisch haben sich Dermal Anchors rund um den Mund erwiesen, denn so können beispielsweise Labret, Medusa, Monroe, Dahlia, Spider-, Angel- oder Snake Bite-Piercings wunderbar imitiert werden ohne komplette Stichkanäle stechen zu müssen. Der Schmuck sitzt einfach kurz unter der Hautoberfläche und verhilft dir zu einem besonders bezaubernden und faszinierenden Lächeln.

Der richtige Piercer für Dermal Anchors

Die meisten Piercer, die klassische Piercings stechen, setzen auch Dermal Anchors. Wenn du dich für solch einen Schmuck entschieden hast, solltest du zunächst ein ausführliches Gespräch mit deinem Piercer führen. Er wird dich fachkundig aufklären und beraten. Mit ihm kannst du besprechen, worauf du achten solltest und welche Stellen sich für dich eignen. Teile ihm auch mit, welchen Beruf du ausübst, so kann er ermessen, ob das gewünschte Piercing auch gute Chancen hat auf Dauer sicher zu sitzen. Ein Beispiel: In einem Büro mit reiner Computertätigkeit wirst du kaum Probleme mit Dermal Anchors am Arm oder den Fingern bekommen. Arbeitest du hingegen als Friseurin oder in einem Handwerksbetrieb ist von solchen Dermal Anchors dringend abzuraten.

Risiken bei Dermal Anchors

Leider kann es bei Dermal Anchors passieren, dass der Schmuck im Laufe der Zeit von selbst herauswächst. In diesem Fall solltest du nicht enttäuscht sein. Du kannst es dir entweder erneut setzen lassen oder du entscheidest dich einfach für eine andere Stelle. Wenn ein Schmuckstück herauswächst, bedeutet das nicht zwingend, dass es immer so sein wird. Ansonsten gibt es bei diesem Mini-Implantat keine anderen Risiken als bei normalen Piercings auch.

Dermal Anchors entfernen

Obwohl ein Dermal Anchor relativ fest in der Haut verankert wird – vorausgesetzt, es ist vollständig ausgeheilt -, lässt es sich schnell und ohne größeren Aufwand auch wieder aus der Haut entfernen. Am besten lässt du den Schmuck einfach von deinem Piercer deines Vertrauens herauslösen. Da die Stelle ja sehr klein ist, wächst die Stelle meistens ohne sichtbare Narben wieder zu.

Flesh Tunnel – die sanfte Methode, die Ohrlöcher zu dehnen

Flesh Tunnel liegen voll im Trend und werden immer beliebter. Ohrlöcher auf eine unnatürliche Größe zu dehnen, solltest du dir jedoch gut überlegen, da sich dieser Eingriff kaum, bzw. nur durch einen operativen Eingriff rückgängig machen lässt.

Außergewöhnlicher Schmuck mit langer Tradition

Gedehnte Ohrlöcher sind kein Symbol der Neuzeit, sie haben eine sehr lange Tradition. Selbst „Ötzi“, der 5.000 Jahre alte Mann, der in einem südtiroler Gletscher gefunden wurde, wies gedehnte Ohrlöcher auf. Auch viele Buddha-Darstellungen werden mit geweiteten Ohrlöchern dargestellt. In Afrika sind gedehnte Ohrlöcher, die mit Pflöcken oder Scheiben geschmückt werden, und andere Körpermodifikationen bei vielen Stämmen ein Symbol der Hierarchie und des gesellschaftlichen Status innerhalb des Stammes. Hier werden häufig nicht nur die Ohrlöcher gedehnt, sondern auch die Lippen, um Schmuck in Form eines Tellers zu tragen. Gedehnte Ohrlöcher waren und sind auf der ganzen Welt verbreitet und haben historisch betrachtet immer einen tieferen Hintergrund. In unserer modernen Zeit wurde dieser klassische Schmuck adaptiert und zu einem trendigen Schmuckstück ohne tieferen ethnischen Hintergrund.

Ohrlöcher dehnen, aber bitte mit Gefühl

Basis für einen Flesh Tunnel ist ein ganz normales, komplett verheiltes Ohrloch (Lobe). Das das Gewebe im Ohrläppchen sehr weich und flexibel ist, lässt es sich mit Geduld gut dehnen. Es gibt verschiedene Hilfsmittel, um das Ohrloch auf die gewünschte Größe zu erweitern – doch es braucht Zeit, da das Ohrläppchen nur Stück für Stück vergrößert werden kann. Dehnungsstäbe, -sicheln oder -spiralen werden in das Ohrloch gesteckt und nach und nach weitergeschoben. Am besten lässt du dich vom Piercer deines Vertrauens beraten, denn er kann dir alle wichtigen Faktoren darlegen und dir aufzeigen, welcher Dehnungsschmuck dir zur Verfügung steht.

Stück für Stück zum gewünschten Flesh Tunnel

Wichtig ist, dass du diesen Vorgang sanft und gefühlvoll durchführst, denn das Gewebe soll schließlich nicht verletzt werden. Zu Beginn kannst du deine Ohrlöcher ca. 0,2 – 0,3 mm pro Monat dehnen. Ab einer Ohrlochweite von ca. 3 mm kannst du deine Ohrlöcher um jeweils einen Millimeter im Laufe von 2 Monaten dehnen, ab einer Weite von ca. 6 mm um zwei Millimeter in zwei Monaten. Flesh Tunnel mit einem Durchmesser von mehreren Zentimetern brauchen meist Jahre, um sich so weit dehnen zu lassen. Deine Ohrlöcher zu dehnen, ist ein Eingriff, der die Haut an Deinen Ohrläppchen sehr strapaziert, daher solltest du sehr behutsam sein und erst weiterdehnen, wenn die Haut nicht mehr spannt. Damit der Dehner leichter im Ohrloch weitergeschoben werden kann, empfiehlt es sich, ihn mit etwas Gleitgel zu bestreichen.

Alternativen: PTFE-Bänder, Skalpell, Dermal Punch

Es gibt mehrere Möglichkeiten, die gewünschte Weite eines Flesh Tunnels zu erzielen. Beim PTFE-Band handelt es sich um ein hautverträgliches Gewebe, das um den Stift eines Piercings gewickelt wird. So wird die Dicke des Stiftes vergrößert, dieser wiederum dehnt dann nach und nach das Ohrläppchen. Diese Methode ist zwar auch ziemlich zeitaufwendig, eignet sich aber bestens für diejenigen, die keinen Dehnungsschmuck tragen möchten. Das Ohrloch wird so sehr unauffällig gedehnt.

Wer es besonders eilig hat und sofort einen Flesh Tunnel tragen möchte, kann sich die gewünschten Tunnel von einem erfahrenen Piercer mit einem Skalpell schneiden oder mittels Dermal Punch stanzen lassen. Hierbei wird ein Teil des Ohrläppchens kreisförmig herausgestanzt. Dieser Vorgang klingt schlimmer als er ist, denn erfahrungsgemäß heilen gepunchte Flesh Tunnel bei guter Pflege ziemlich schnell ab.

Flesh Tunnel richtig pflegen

Wie bei allen Piercings und Body Modifications ist die intensive Pflege das A und O. Beim Dehnen mithilfe von Dehnungsschmuck sollte der Stichkanal regelmäßig gereinigt werden. So bleibt die Haut geschmeidig und die Wahrscheinlichkeit für Entzündungen kann minimiert werden. Bei gepunchten oder bereits weit gedehnten Ohrlöchern kann es zu Talgablagerungen und einem unangenehmen Geruch kommen. Daher ist eine ordentliche Hygiene unabdingbar. Nimm dir Zeit für die Reinigung deines Flesh Tunnels und des Schmucks. Setze den Schmuck immer mit Gefühl ein und achte darauf, dass du das Gewebe am Ohrläppchen nicht überstrapazierst.

Risiken bei Flesh Tunnels

Natürlich gibt es wie bei allen anderen Piercings auch beim Flesh Tunnel mögliche Risiken. Je weiter das Ohrläppchen gedehnt wird, desto dünner wird die Haut. Dies macht es Bakterien und Keimen leichter, in die Haut einzudringen. Blutungen, eitrige Absonderungen und schmerzhafte Entzündungen sind nicht auszuschließen. Aus genau diesem Grund solltest du beim Dehnen mit Schmuck darauf achten, wirklich nur in kleinen Schritten und zeitlich großen Abständen zu dehnen. Je mehr Geduld du hier beweist, desto geringer ist das Risiko.

In sehr seltenen Fällen kann es wie bei anderen Piercings auch zur Bildung von Keloiden kommen. Dies sind Wucherungen, die während es Heilungsprozesses entstehen können. Hierbei handelt s sich um übermäßig produziertes Narbengewebe. Keloide lassen sich operativ entfernen. Bei Menschen, die jedoch zu verstärkter Narbenbildung neigen, können Keloide immer wieder entstehen.

Der richtige Flesh Tunnel-Schmuck

Du hast dein Ohrloch bereits auf ein paar Millimeter gedehnt? Dann kannst du dir den ersten Plug oder Tunnel einsetzen. Die Auswahl ist riesengroß, so kannst du den Schmuck deinem ganz persönlichen Geschmack entsprechend auswählen. So vielfältig wie die Designs sind auch die Materialien. Chirurgenstahl, Glas, Titan, Silikon oder auch organische Materialien (z. B. Holz) lassen keine Wünsche offen. Bei einteiligen Plugs oder Tunnels solltest du immer darauf achten, den Schmuck mit viel Gefühl einzusetzen. Damit der Schmuck perfekt sitzt, muss er vorsichtig über den Rand gezogen werden. Je behutsamer du das machst, desto geringer ist das Risiko, dass die Haut überdehnt oder sogar verletzt wird. Achte also gut darauf, dass du immer nur Schmuck auswählst, der der Weite deines Flesh Tunnels entspricht. Einfacher sind natürlich zweiteilige Schmuckstücke, die sich problemlos einsetzen und verschrauben lassen.

Keine Lust mehr auf Flesh Tunnel? Hier hilft nur eine OP

Flesh Tunnel sind Modifikationen, die sich kaum verbergen lassen. Wenn du tatsächlich deine natürlichen Ohrläppchen zurückhaben möchtest, solltest du zunächst mit deinem Piercer reden. Bei noch kleinen Tunnels mit geringem Durchmesser reicht es manchmal aus, einfach den Schmuck zu entfernen. Das Loch zieht sich von selbst wieder zusammen, kann aber trotzdem immer noch etwas größer verbleiben, als ein normales Ohrloch. Bei größeren Tunnels ist eine OP die einzige, effektive Methode. Es gibt mittlerweile einige Piercer, die diese Operation selbst vornehmen dürfen. Alternativ kann natürlich auch ein Arzt (vorzugsweise ein Hautarzt) aufgesucht werden. Die Wiederherstellung der Ohrläppchen ist ein operativer Eingriff, der meistens in Arztpraxen nur bei medizinisch notwendiger Indikation von den Krankenkassen bezahlt wird. In den meisten Fällen wirst du die Kosten selbst tragen müssen.

Wichtig bei der Operation ist es, dem Ohrläppchen einen natürlichen Look zu verleihen. Es ist also nicht damit getan, den Flesh Tunnel einfach „abzuschneiden“. Vielmehr ist es eine filigrane Arbeit, die Innenseiten des Tunnels aufzuschneiden, überschüssige Haut abzutrennen und die Haut dann in einer natürlichen Form wieder zusammen zu nähen. Wenn du dich wirklich dazu entschließt, deine Flesh Tunnel operativ entfernen zu lassen, solltest du dir jemanden suchen, der bereits Erfahrung damit hat. Befrage also am besten mehrere Piercer und Hautärzte, ob sie den Eingriff vornehmen können, und lasse dir Bilder von deren erfolgreich behandelten Ohrläppchen zeigen. So bist du auf der sicheren Seite und brauchst dich nicht zu sorgen, dass du nachher unnatürlich geformte Ohrläppchen hast.

Fazit: Vorher gut überlegen

Nach all diesen Informationen lässt du dir die Idee, dir Flesh Tunnel zu dehnen, sicherlich noch einmal durch den Kopf gehen. Das ist gut, denn nur, wenn du wirklich überzeugt davon bist, wirst du auch über Jahre hinweg Freude an deinem stylischen und auffälligen Schmuck haben.

So findest du den perfekten Piercer

Du hast dich dazu entschlossen, dir ein Piercing stechen zu lassen? Glückwunsch, gute Entscheidung! Jetzt brauchst du nur noch den für dich passenden Piercer zu finden, und alles läuft bestens. Piercer gibt es ja mittlerweile wie Sand am mehr. Da sollte es doch ein Kinderspiel sein, einen zu finden, der mal eben einen Stecker oder einen Ring setzt. Dieser Vorgang dauert schließlich nur ein paar Sekunden. Könnte man so denken, ist aber weit gefehlt! Ein wirklich guter Piercer ist Gold wert und nicht so leicht zu finden, wie man annehmen könnte.

Ein kurzer Blick in die Vergangenheit

Die Zeiten, in denen der beste Kumpel das Ohr mal eben mit einem Eiswürfel gekühlt und eine Nähnadel mit dem Feuerzeug erhitzt hat, um ein Loch ins Ohr zu stechen, sind zum Glück lange vorbei. Viel zu groß ist das Risiko mit solch einer Behandlung eine Entzündung oder sogar eine Blutvergiftung auszulösen. Diese gruselige Vergangenheit ist (hoffentlich) endgültig abgeschlossen. Dennoch gibt es auch heute noch Piercer, die mehr als unprofessionell arbeiten und wenig Wert auf die aktuellen Standards legen. Es gibt leider sehr viele kaum (oder sogar gar nicht) ausgebildete und selbst ernannte Piercer, die zwar in der Lage sind, ein Piercing zu stechen, von Anatomie, Hygiene oder adäquaten Behandlungsmöglichkeiten bei Problemen absolut keine Ahnung haben.

Lass dir Zeit für die Suche des besten Piercers

Bevor du deinen Körper also jemandem anvertraust, solltest du dich gut informieren und das eine oder andere Gespräch mit verschiedenen Piercern oder mit zufriedenen Gepiercten führen. Die Kunst des Piercens hat sich in den letzten Jahren sehr weiterentwickelt und ein guter Piercer hält sich diesbezüglich mit Weiterbildungen auf dem Laufenden. Suche dir einen Piercer, der deine Erwartungen erfüllt, und der dich mit seinem Fachwissen überzeugen kann. Es spielt dabei absolut keine Rolle, ob du ein einfaches Helix-Piercing wünschst oder deinen Intimbereich mit einem attraktiven Schmuckstück verzieren möchtest. Bei jedem einzelnen Piercing ist die volle Aufmerksamkeit des Piercers gefordert. Deine Gesundheit sollte es dir und ihm unbedingt wert sein.

Die Kontaktaufnahme

Vielleicht hast du ja Freunde oder Bekannte, die schicken Körperschmuck tragen, und dir bei der Suche behilflich sein können. Hat jemand besonders gute Erfahrungen gemacht, kannst du diese Empfehlung mit in deine Auswahl aufnehmen. Alternativ kannst du natürlich auch online nach Piercern in deiner Nähe suchen. Rufe einfach alle Piercer an, die für dich infrage kommen und bitte um ein Informationsgespräch. Bereits am Telefon wirst du schnell erkennen, ob die Chemie zwischen euch beiden stimmt. Es kann durchaus sinnvoll sein, einen weiteren Weg in Kauf zu nehmen, um die bestmögliche Behandlung zu bekommen, als sich mal eben in der Mittagspause beim Piercer „um die Ecke“ piercen zu lassen.

Das Informationsgespräch mit dem Piercer

Das Informationsgespräch sollte möglichst nicht am Telefon, sondern direkt im Studio erfolgen. Um dich gut zu beraten, ist es wichtig, sich Zeit zu nehmen, sodass dich der Piercer über alle Risiken aufklären kann und du die Gelegenheit bekommst, Fragen zu stellen. Lass dir genau erklären, welche Techniken er anwendet, und frage ihn, ob er dir auch nach dem Piercen als Ansprechpartner weiterhin zur Verfügung steht. Ist er ein erfahrener Piercer oder betreibt er das Piercen nur nebenbei. Ist er ausgebildet oder bildet er vielleicht sogar andere Piercer aus? Frage nach der Pflege, die notwendig ist, damit das Piercing sauber abheilt, und kläre mit ihm ab, was zu tun ist, wenn es zu Komplikationen kommt. Lass dir den Schmuck zeigen, den er verwendet. Gut möglich, dass er dir bei bestimmten Piercings zunächst einen Stecker empfiehlt, obwohl du dir vielleicht einen Ring oder einen Bananenstecker wünschst. Höre auf seinen Rat, denn Piercings werden mit einer Nadel gerade gestochen. Bei geformtem Schmuck kommt es im Stichkanal zu Spannungen, die unter Umständen schlechter abheilen. Einfacher ist es in einen komplett ausgeheilten geraden Stichkanal ein geformtes Schmuckstück einzusetzen. Dies ist jedoch nicht an allen Stellen möglich, daher solltest du dich mit deinem Piercer genau abstimmen, was du möchtest und was er empfiehlt. Beantwortet dir dein Wunschpiercer alle Fragen ausführlich, fachlich kompetent, verständlich und geduldig, scheinst du in guten Händen zu sein.

Die Hygiene

Nicht nur der persönliche Draht ist bei der Wahl des Piercers von Bedeutung, sondern auch der Zustand seines Studios. Schau dich genau um. Ist das Studio sauber? Sind die Piercingnadeln hygienisch einzeln verpackt? Ist der Erstschmuck abgepackt? Ist das Studio ausreichend ausgeleuchtet, sodass der Piercer deinen Schmuck auch punktgenau setzen kann? Verschaffe dir einfach einen umfassenden Eindruck von den Begebenheiten und lass dabei auch dein Bauchgefühl sprechen. Hygiene steht an oberster Stelle – und das nicht erst seit der Pandemie. Gute Piercer legen größten Wert auf einen klinisch reinen Arbeitsplatz und einen hygienisch einwandfreien Ablauf. Handschuhe sind selbstverständlich und benötigen keine gesonderte Erwähnung.

Das Piercing wird gestochen

Du hast dich für einen Piercer entscheiden und Vertrauen zu ihm aufgebaut? Dann steht deinem neuen Körperschmuck nichts mehr entgegen. Schlafe noch einmal drüber, dann vereinbare einen Termin, und lass dir dein Wunschpiercing setzen. Zum Termin solltest du bereits etwas gegessen haben. Alkohol ist tabu! Dein Piercer wird einiges vorbereiten. Zunächst wird er einen schriftlichen Vertrag mit dir abschließen, um sich rechtlich abzusichern. Schließlich ist das Piercen (rein rechtlich betrachtet) eine Form der Körperverletzung. Du musst bestätigen, dass du damit einverstanden bist. Dann wird er sich alle Instrumente zurechtlegen und dich ein Schmuckstück auswählen lassen. Die genaue Stelle, an der der Schmuck sitzen soll, wird bestimmt und mit einem Stift angezeichnet. Der Vorgang selbst geht dann sehr schnell. Es ist auch durchaus möglich, sich bei einem Termin gleich mehrere Piercings stechen zu lassen. Für jedes Piercing wird eine neue Nadel verwendet. Ist die Nadel erst einmal durchgestochen, hast du es auch schon überstanden. Jetzt wird nur noch der Schmuck eingesetzt und schon ist alles vorbei. Ein guter Piercer wird dir noch klare Anweisungen geben, wie du dein neues Piercing in den nächsten Wochen pflegen solltest. Bei den meisten Piercern kannst du ein Desinfektionsmittel zum Sprühen gleich vor Ort kaufen, ansonsten bekommst du es auch in der nächsten Apotheke.

Der Preis

Sicherlich hast du bei deiner Suche nach einem Piercer auch nach den jeweiligen Preisen gefragt und ziemlich große Unterschiede festgestellt. Hier sei gesagt, dass nicht jeder teure Piercer gut und jeder günstige Piercer schlecht sein muss. Häufig hängt die Preiskalkulation von verschiedenen Faktoren ab. Die Ladenmiete im Zentrum einer Großstadt liegt sehr wahrscheinlich deutlich höher als am Stadtrand oder in einem kleinen Ort. Arbeitet er alleine oder hat er ein Studio, in dem er Angestellte beschäftigt, die er bezahlen muss? Wie hochwertig sind Instrumente und Schmuck, die er verwendet? Pierct er nur nebenbei oder lebt er von seinem Kunsthandwerk? All dies kann den Preis für ein Piercing beeinflussen. Lege bitte größeren Wert auf die Qualität deines Piercers und weniger auf den Preis. Es kann sich lohnen, lieber etwas länger zu sparen, und dafür die bestmögliche Beratung und Behandlung zu bekommen. Schließlich möchtest du deinen Schmuck ja über viele Jahre hinweg voller Stolz tragen, da sollte es auf ein paar Euro mehr oder weniger nicht ankommen. Dein Körper und deine Gesundheit werden es dir danken.

Piercings in der Gesellschaft – akzeptiert oder verpönt?


Die Frage, ob Piercings mittlerweile in der Gesellschaft angekommen ist, lässt sich nicht einfach mit Ja oder Nein beantworten. Die Akzeptanz ist in den letzten Jahren sicherlich deutlich gestiegen, dennoch gibt es immer wieder Situationen, in denen sichtbare Piercings zu einem Problem werden können. Das ist gleichermaßen schade und traurig wie unfair und weit vorbei am Plus der Zeit, denn der edle Körperschmuck sagt absolut nichts über deine Fähigkeiten und Kompetenzen aus. In vielen Köpfen sind jedoch immer noch Vorurteile verankert, die längst überholt sind, dennoch sind sie da. Wie also am besten verhalten

Grundsätzlich liegt die Entscheidung Pro oder Contra Piercings natürlich ganz bei dir. Der Schmuck ist ein Ausdruck deiner Individualität, deines Lebensstils und deines ganz persönlichen Geschmacks. Niemand hat das Recht, dir als erwachsenem Menschen vorzuschreiben, was du zu tun und zu lassen hast. Dennoch möchte man es sich ja nicht unbedingt mit Eltern, Verwandtschaft, Freunden und vor allen Dingen Arbeitgebern verscherzen. Innerhalb der eigenen Familienbande und im Freundeskreis kannst du dich vielleicht noch durchsetzen, ohne gleich enterbt und geächtet zu werden. Im Berufsleben sieht es da leider schon ein bisschen anders aus.

Für den Beruf auf Piercings verzichten?

In vielen Berufen sind Piercings heutzutage zum Glück kein Problem mehr. Ein Hoch auf die moderne Denkweise einiger Arbeitgeber. Doch bei vielen Unternehmen mit direktem Kundenkontakt, in Hotels oder auch bei diversen Fluglinien sind Piercings häufig (noch) ein Ausschlusskriterium. Mit diesem Problem schlagen sich Tätowierte übrigens ebenso herum wie Gepiercte. Warum sollte eine Flugbegleiterin mit Nasenring keinen so guten Service für die Fluggäste bieten können wie eine Kollegin ohne Nasenschmuck? Warum sollte ein Versicherungsvertreter mit Zungen- oder Lippenpiercing nicht genauso viele Abschlüsse mit Professionalität, Fachwissen und Souveränität generieren können wie ein Geschäftspartner ohne Piercings? Diese Frage ist berechtigt und lässt sich nur mit dem unterschiedlichen Erscheinungsbild erklären. Es ist eine Frage der Wahrnehmung und Wirkung – eine typisch „menschliche“ Wertung.

Wahrnehmung und Wirkung von Piercings

Menschen, die anders sind als man selbst, werden gerne beäugt und gemustert. „Warum hast du so viele Ohrringe?“ oder “ Wie kannst du mit dem Piercing in der Zunge vernünftig essen?“ sind noch die harmloseren Fragen, denen sich Gepiercte stellen müssen. Nett ist auch die Frage, ob man damit durch die Kontrolle am Flughafen kommt, ohne dass der Sicherheitsalarm losgeht. Menschen mit Körperschmuck und Kunstwerken auf und in der Haut sind selbstverständlich oft genervt von den Wertungen und Vorurteilen anderer. Doch diese Denkweise lässt sich erklären, denn der Mensch ist ein Herdentier. Jeder, der nicht der Norm entspricht, muss sich erst einmal beweisen. Im Privatleben ist dies sicherlich möglich, im Geschäftsleben ist das jedoch eher die Ausnahme.

„Die Menge macht das Gift“

Wie bei vielen Dingen ist es häufig eine Frage der Menge, die die Grenze zwischen Toleranz und Intoleranz sprengt. Waren lange Zeit nur normale Ohrringe (Lobe) gesellschaftlich akzeptabel, so ist heute ein kleiner Stecker in der Ohrmuschel (Helix) keine große Überraschung mehr. Hast du aber zehn Piercings, die sich kunstvoll an deinem Ohr hochschlängeln, ergänzt mir einem Industrial-, einem Rook- und einem Tragus-Piercing, dann sieht die Welt schon anders aus. Gerade Piercings an den Ohren und im Gesicht werfen bei vielen anderen Menschen Fragen auf, doch anstatt einfach zu fragen, wird vorschnell geurteilt.

Augen auf bei der Berufswahl

Da es in vielen Berufen nach wie vor verboten ist, Piercings zu tragen, solltest du dir gut überlegen, welchen Weg du gehen möchtest. Arbeitest du in einem kreativen Beruf oder verkaufst coole Trendartikel, wirst du keine Schwierigkeiten haben, ganz gleich wie viele Piercings deinen Körper schmücken. Auffällig ist der Wandel in pflegenden Berufen. Es gibt mittlerweile viele Arzthelferinnen und Krankenpfleger, die durchaus ihren Schmuck problemlos tragen können. Gleichzeitig gibt es aber immer noch Arztpraxen, in denen Bewerber mit Piercings sofort ausgesondert werden. Dann gibt es eben auch noch die Berufe, in denen Piercings komplett untersagt sind. Auch wenn die korrekte Form der Gleichbehandlung noch nicht überall angekommen ist, so ist der Wandel in die richtige Richtung spürbar. Das lässt hoffen.

Wichtig ist, dass du dir überlegst, welcher berufliche Werdegang für dich und deine Zukunft perfekt ist. Manchmal kann es sich lohnen, auf ein Piercing zu verzichten oder einfach noch zu warten, um die Karriere zu fördern. Alternativ verlegst du deine Piercings einfach in Bereiche, die deinen Vorgesetzten verborgen bleiben. Bist du von deinen Piercings hingegen so fest überzeugt, dass du auf sie nicht verzichten kannst und willst, dann suche den Kontakt zu Unternehmen, die deinen Körperschmuck akzeptieren und du dennoch deine Fähigkeiten einbringen kannst. Denn es ist beides von großer Bedeutung – deine individuelle Lebenseinstellung und deine beruflichen Ambitionen. Du sollst dich für niemanden verbiegen, aber hier und da kann sich ein kleiner Kompromiss als sehr lohnend erweisen.

Hinter vorgehaltener Hand

Es gibt sehr viele hochgestellte Persönlichkeiten, gut verdienende Vorstandsmitglieder und angesehene Prominente der oberen Gesellschaftsschichten, die sich durchaus mit Piercings schmücken – doch diese siehst du nicht. Nach außen strahlen diese Menschen das pure, kühle und kraftvolle Business aus, doch in den Hosen funkeln kleine Prinz Alberts, Ampallangs und Apadravyas oder auch glitzernde Christinas, Fourchettes und Prinzessin Albertinas. Das ist typisch für unsere Gesellschaft – man will nach außen den Schein wahren, privat aber doch seine wahren Wünsche und Bedürfnisse befriedigen. Das ist auch vollkommen in Ordnung, solange diese Gratwanderung gewollt und nicht erzwungen ist. Vielen bereitet gerade dieses Spiel mit den Klischees sehr viel Spaß.

Piercings in der Zukunft – Hoffnung auf mehr Akzeptanz

Die Welt verändert sich ständig, alles ist in Bewegung und im Wandel. Die Liebhaber des Körperschmucks werden im Laufe der Zeit immer mehr. Für jede nachkommende Generation sind Piercings und auch Tätowierungen immer selbstverständlicher. Die Zahl derer, für die Körperschmuck jeglicher Art zum Alltag gehören, wächst mit jedem Tag. Manchmal dauern Entwicklungen halt etwas länger, um sich durch alle Schichten der Gesellschaft zu etablieren, doch der Weg ist definitiv der richtige. Also sei nicht enttäuscht, falls dich jemand wegen deiner Piercings mustert. Vielen fällt es einfach schwer, sich neuen Erkenntnissen und Modernisierungen anzupassen. Nimm es gelassen, und zeige dich so, wie du bist. Wer dich wirklich kennt, weiß um deine positiven Charaktereigenschaften und um dein einzigartiges Wesen. Du bist ein eigenständiger Mensch, du alleine weißt am besten, was für dich gut und richtig ist. Bleib dir selber treu, dann kannst du dich sowohl in deinem privaten Umfeld als auch im Berufsleben locker behaupten.

Migräne, Stress und Übergewicht – können Piercings helfen?

In erster Linie haben Piercings einen rein schmückenden Charakter und selbst, wenn sie mittlerweile gesellschaftsfähig geworden sind, stehen sie als Symbol für deinen individuellen und rebellischen Lebensstil. Doch seit einigen Jahren wird immer wieder berichtet, dass bestimmte Piercings auch positive Nebeneffekte im Bereich der Gesundheit und des Wohlbefindens mit sich bringen können. Ein Thema, das gleichermaßen spannend wie umstritten ist.

Daith Piercing – die Lösung für Migränegeplagte?

Migränepatienten haben meistens einen langen und beschwerlichen Leidensweg. Wer regelmäßig unter diesen unerträglich hämmernden, stechenden und pochenden Kopfschmerzen leidet, hat meistens ein Dauerticket beim Facharzt und einen ganzen Vorrat an Schmerzmitteln im Schrank. Diese sind meist nur bedingt und zeitlich begrenzt hilfreich und können viele unangenehme Nebenwirkungen haben. Wäre eventuell ein Piercing an einem speziellen Punkt eine Alternative? Diese Frage lässt sich nicht mit einem klaren „Ja“ oder „Nein“ beantworten. Es gibt zahlreiche Berichte aus den letzten Jahren, in denen Betroffene von ganz erstaunlichen Ergebnissen berichten. Seitdem das sogenannte Migränepiercing gesetzt wurde, hätten sich die Schmerzattacken bei vielen deutlich verringert oder die Migränephasen hätten teilweise sogar ganz aufgehört. Wissenschaftliche Studien gibt es diesbezüglich aber nicht, und die meisten Schulmediziner widersprechen den Erfolgen des Migränepiercings.

Die Entdeckung, dass ein Daith Piercing auch gegen Migräne wirksam sein könnte, war purer Zufall. Zahlreiche Migränegeplagte hatten sich einfach ein hübsches Schmuckstück setzen lassen wollen. Schon kurz darauf berichteten viele, dass die Schmerzen deutlich nachgelassen oder sich sogar komplett aufgelöst haben. Ein positiver Nebeneffekt, der sich schnell rumgesprochen hat. Immer mehr leidgeplagte Migränepatienten waren bereit, sich diesem Test zu stellen. Die Ergebnisse waren erstaunlich – nur bei einzelnen Betroffenen stellte sich gar keine Veränderung ein. Die meisten berichteten von einer großen Erleichterung und einer deutlichen Verbesserung der Lebensqualität.

Stress und Depressionen abbauen mit dem Shen-Men-Piercing?

Die Welt ist im Umbruch, und viele Menschen leiden unter mehr oder weniger starken Stresssymptomen und Depressionen. Ständiger Leistungsdruck, Schwierigkeiten im Berufs- oder Privatleben, Angst vor der Zukunft oder auch andere belastende Lebenssituationen können Auslöser für eine immer wiederkehrende Niedergeschlagenheit und seelische Beeinträchtigungen sein. Dem Shen-Men-Piercing wird nachgesagt, dass es dabei unterstützen kann, den Körper zu entspannen und das seelische Gleichgewicht wiederherstellen zu können.

Übergewicht – Hilft das Tragus-Piercing beim Abnehmen?

Die meisten Menschen ernähren sich unausgewogen, treiben zu wenig Sport oder führen ganz allgemein einen ungesunden Lebenswandel. Die Folge ist häufig Übergewicht. Ein Tragus-Piercing soll hier für Abhilfe sorgen und den Abnehmprozess positiv beeinflussen können. Aber funktioniert das wirklich? Hier kann gleich schon erwähnt werden, dass ein Piercing alleine keine Wunder bewirken kann. Wer wirklich abnehmen möchte, muss seine Ernährungsgewohnheiten überdenken und für ausreichend Bewegung sorgen. Das Tragus-Piercing kann hier aber dabei unterstützen, Heißhungerattacken zu verringern und ungesunden Verlockungen zu widerstehen.

Piercings an Akupunkturpunkten

Der Schlüssel für die Annahme, dass Piercings positive Auswirkungen auf Körper und Geist haben können, liegt in der Akupunktur und Akupressur. Diese Behandlungsmethoden aus der „Traditionellen Chinesischen Medizin“ (TCM) sind seit vielen Jahren adäquate Alternativen zur klassischen Schulmedizin. Bei der Akupunktur werden bestimmte Energiepunkte, die sich auf Meridianen über den ganzen Körper verteilen, mit feinen Nadeln stimuliert. Akupunktur dient dazu, energetische Blockaden aufzulösen und den Energiefluss sicherzustellen. Genau diese Methode machen sich Migräne-, Shen-Men- und Tragus-Piercings zunutze. Die Piercings werden an genau diesen speziellen Akupunkturpunkten am Ohr gesetzt. So werden die Energiepunkte nicht nur zeitlich begrenzt stimuliert (wie bei der Akupunktur), sondern dauerhaft, da der Schmuck ja im Körper verbleibt. Hier treffen also alte traditionelle Behandlungsmethoden auf den modernen Zeitgeist.

Piercer mit ausgeprägten anatomischen Kenntnisse

Wenn du mit dem Gedanken spielst, dir ein Piercing zu medizinischen Zwecken stechen zu lassen, solltest du unbedingt ein ausführliches und klärendes Gespräch mit dem Piercer deines Vertrauens führen. Nicht jeder Piercer ist mit alternativen Heilmethoden und den Akupunkturpunkten vertraut. Damit sich eine mögliche Verbesserung deines Zustands überhaupt einstellen kann, muss das Piercing exakt an der richten Stelle sitzen. Das Migränepiercing sitzt beispielsweise auf dem Nullpunkt. Dieser befindet sich an der an der Knorpelfalte über dem Gehöreingang. Der Punkt kann nicht nur geschätzt, sondern muss konkret ausgemessen werden. Gleiches gilt auch für das Shen-Men- (ein Energiepunkt innerhalb der Ohrmuschel) und das Tragus-Piercing (ein Energiepunkt am Knorpel des Gehöreingangs). Ein erfahrener Piercer ist in der Lage, diese speziellen Energiepunkte einwandfrei auszumessen und das Piercing perfekt zu stechen.

Die Lösung für alle Leidgeplagten?

Eine ultimative Lösung gegen Migräne, Übergewicht oder Depressionen gibt es nicht. Ein Heilversprechen für die Wirkung eines Piercings an speziellen Akupunkturpunkten kann nicht gegeben werden! Die zahlreichen positiven Erfahrungsberichte, die im Laufe der letzten Jahre veröffentlicht wurden, geben aber allen Grund, zuversichtlich zu sein. Die Piercings sind als gute Alternative oder Ergänzung zur klassischen Schulmedizin zu betrachten.

An dieser Stelle sei noch erwähnt, dass jeder Mensch ein Individuum ist und jedes Ohr einzigartig ist. Nicht jedes Ohr eignet sich für jedes Piercing. Gerade das Daith-Piercing lässt sich nicht bei jedem setzen, weil die kleine Ohrfalte nicht immer ausgeprägt genug ist. Ob ein Daith Piercing an deinem Ohr perfekt auf den Nullpunkt gesetzt werden kann, wird dein Piercer gerne analysieren und ausmessen.

Schulmediziner widersprechen der Wirkungsweise von Piercings

Es versteht sich fast schon von selbst, dass Schulmediziner die Wirkung von Piercings nicht anerkennen. Viele Fachärzte lehnen alternative Heilmethoden grundsätzlich ab und verschreiben lieber weiterhin starke Schmerzmittel oder Antidepressiva. Auch wenn gezielt gesetzte Piercings schon vielen Menschen zu einer Steigerung der Lebensqualität verholfen haben, so sind diese Piercings sehr umstritten. Hier stehen sich unterschiedliche Heilansätze und Therapien kontrovers gegenüber. Da es bislang keine wissenschaftlichen Studien gibt, die die Wirkungsweise von Piercings belegen, ist das sogar vollkommen verständlich. Dennoch können die vielen positiven Berichte Betroffener nicht einfach als Placeboeffekt abgetan werden. Wie viele alternative Heilmethoden ist auch das Setzen von Migränepiercings eine alternative Option, die zu hitzigen Diskussionen anregt.

Die Frage ist, welche Risiken ein solches Piercing mit sich bringt. Hier kann die Frage ganz klar beantwortet werden. Daith-, Shen-Men- oder Tragus-Piercings bergen nicht mehr Risiken als jedes andere Piercing auch. Der Heilungsprozess kann durch verschiedene Faktoren gestört oder verlängert werden. Die Gefahr von Entzündungen, Schwellungen und anderen Komplikationen steigt nicht, nur weil der Schmuck an einem Akupunkturpunkt gesetzt wird. Was kann also passieren? Im besten Fall entwickelt sich der gewünschte Effekt und deine Leiden lassen nach. Im schlimmsten Fall stellt sich keine gesundheitliche Verbesserung ein und du bleibst weiterhin in Behandlung, die dir dein Facharzt empfiehlt. Dann ist das Piercing einfach ein geschmackvolles Schmuckstück wie so viele andere Piercings auch. Ein tatsächliches Heilversprechen kann wie bei vielen anderen Behandlungsmethoden nicht gegeben werden, aber es spricht auch nichts dagegen, neuen Erkenntnissen und Entwicklungen eine Chance zu geben.

Medizinischer Eingriff – müssen Piercings entfernt werden?

Piercings sind ein Ausdruck von Freiheit und ein Symbol deiner einzigartigen Individualität. Du hast dir lange überlegt, ob du dir das eine oder andere Piercing stechen lässt, und bist stolz auf deinen Körperschmuck. Doch was passiert, wenn eine medizinische Behandlung oder sogar eine Operation erforderlich ist? In den meisten Fällen informieren Ärzte bereits im Vorgespräch, dass der Schmuck am Tag des Eingriffs entfernt werden müssen. Doch ist das tatsächlich immer so? Die Frage lässt sich nicht pauschal mit Ja oder Nein beantworten, denn ob deine Piercings entfernt werden müssen, hängt letztendlich von der jeweiligen Behandlung und vom Material deiner Piercings ab.

Müssen wirklich alle Piercings entfernt werden?

Die Notwendigkeit, warum Piercings vor medizinischen Eingriffen entfernt werden müssen, hat verschiedene Gründe. Bedenke, dass die Aufforderung des Arztes ausschließlich deiner Gesundheit dient – diese hat Vorrang vor jedem Körperschmuck. Für persönliche Eitelkeiten ist im Krankenhaus einfach kein Platz! Nur, wenn du die Piercings entfernst, kann deine Sicherheit gewährleistet werden. Doch was ist, wenn ein medizinischer Eingriff ansteht, bei dem die zu behandelnde Stelle weit weg von deinen Piercings ist? Es gibt durchaus gewichtige Argumente, warum auch in solch einem Fall der Schmuck entfernt werden sollte. All diese Punkte lassen sich nur im Einzelfall zu gegebener Zeit und mit dem für dich zuständigen Arzt besprechen. Ein offenes Wort führt hier schnell zur Einsicht und zu möglichen alternativen Wegen.

Piercings bei Voruntersuchungen
Steht ein medizinischer Eingriff an, so sind häufig verschiedene Voruntersuchungen notwendig. Nur so kann ein konkreter Behandlungsablauf geplant werden. Häufig müssen Piercings schon für diese Voruntersuchungen entfernt werden, z. B. für Röntgenaufnahmen, MRT oder CT. Hier ein paar Infos, was Du bei solchen Untersuchungen wissen solltest:

Röntgen:
Für Röntgenaufnahmen müssen Piercings meistens entfernt werden, wenn das Piercings im zu röntgenden Bereich sitzt. Wird der Kopf geröntgt, müssen alle Ohrringe und Piercings im Bereich des Gesichts herausgenommen werden. Schmuckstücke aus Metall wären deutlich auf dem Röntgenbild sichtbar. So besteht die Gefahr, dass kleine Details durch das Piercing überlagert werden und somit eine korrekte Diagnose verfälscht werden könnte. Du kannst den Röntgenarzt fragen, ob er einverstanden ist, dass du deine Piercings aus Metall gegen Schmuck aus PTFE (Polytetrafluorethylen) tauschst. Diese bestehen aus flexiblen Kunststoff und sind somit auf Röntgenbildern kaum bis gar nicht zu erkennen. Die letztendliche Entscheidung liegt jedoch bei deinem behandelnden Arzt, und du solltest seinen Rat beherzigen.

Computertomografie (CT):
Bei einer anstehenden Computertomografie gelten weitestgehend die gleichen Hinweise wie beim Röntgen. Auch hier könnten metallische Piercings das Untersuchungsergebnis verfälschen. Doch auch hier könnten Schmuckstücke aus PTFE in Absprache mit dem Arzt ersatzweise eingesetzt werden.

Magnetresonanztherapie (MRT):
Bei einem MRT wird nicht mit Röntgenstrahlen gearbeitet, sondern mit magnetischen Wechselfeldern. Viele Piercings bestehen aus Metallen, die magnetisch sind. Bei einem angeordneten MRT ist es also zwingend erforderlich, dass ausnahmslos alle metallischen Piercings entfernt werden, auch wenn diese weit weg vom zu behandelnden Bereich liegen. Sicherlich möchtest auch du vermeiden, dass deine Piercings regelrecht herausgerissen werden, weil die Magneten mit starker Kraft einander anziehen. Somit erklärt sich auch, warum alle anderen Schmuckstücke wie Ketten, Armbänder oder Ringe vor einem MRT abgelegt werden müssen. Doch auch hier gilt, dass Piercings aus Kunststoff in Absprache mit dem behandelnden Arzt im Körper belassen werden können.

Das Vorgespräch mit dem Arzt

Welche Maßnahmen ergriffen werden müssen, damit ein medizinischer Eingriff unkompliziert abgewickelt werden kann, klärst du am besten mit dem Arzt im Vorgespräch. Weise ihn direkt darauf hin, dass Du Piercings trägst (besonders, wenn diese nicht sofort offensichtlich sind), damit der Arzt dich entsprechend beraten kann. Viele Ärzte stehen Piercings allgemein sehr skeptisch gegenüber, daher fordern sie, dass die Piercings entfernt werden, selbst wenn dies nicht zwingend erforderlich ist. Hier solltest du dich mit ihm genau abstimmen und ihn auf die Alternative der PTFE-Piercings hinweisen. Mache dir aber bewusst, dass es letztendlich um deine Gesundheit geht, daher solltest du dir gut überlegen, ob du auf dein Recht beharrst oder besser dem Rat deines Arztes folgst.

Risiken bei operativen Eingriffen

Der menschliche Körper besteht zum größten Teil aus Wasser. Wasser leitet Strom ganz hervorragend. Bei vielen Operationen kommt Strom zum Einsatz, um beispielsweise eine Blutung mithilfe eines Kauters zu stillen. Der Strom, der hierfür benötigt wird, wird durch den gesamten Körper geleitet, auch wenn dies weder Schmerzen verursacht noch körperlich bemerkbar ist. Anders verhält es sich jedoch in den Bereichen, in denen metallische Piercings sitzen. Trifft der Strom auf das Metall, so wird das Piercing innerhalb kürzester Zeit erhitzt. Die Folge können schwere Verbrennungen der Haut sein – selbst wenn das Piercing weit entfernt vom Operationsfeld sitzt. Dies ist ein überzeugender und triftiger Grund, warum alle Piercings vor einem operativen Eingriff entfernt werden müssen. Es gibt Chirurgen und Anästhesisten, die auch bei Operationen mit PTFE-Piercings einverstanden sind, da diese Strom kaum bzw. gar nicht leiten. Dieses Entgegenkommen solltest du jedoch nicht voraussetzen und kannst es auch nicht fordern. Wie immer hilft auch hier ein klärendes Gespräch im Vorfeld. Sei nicht enttäuscht, wenn dein Arzt keine Kompromisse eingehen will, schließlich trägt er für deine Behandlung die volle Verantwortung.

Hygienische Aspekte
Neben den bereits erwähnten Gründen, die das Entfernen der Piercings vor einer medizinisch notwendigen Behandlung verargumentieren, spielen auch hygienische Gründe eine große Rolle. Körperschmuck, der in der Nähe von Operationsfeldern sitzen, können in Einzelfällen Infektionen in der OP-Wunde auslösen. Dies kann auch passieren, wenn du deine Piercings vorbildlich pflegst. Die Folgen könnten gravierend sein und den Heilungsprozess verhindern oder zumindest verlängern. Da sich Ärzte auch rechtlich absichern müssen, um wegen solcher Fälle nicht verklagt zu werden, bestehen viele Krankenhäuser darauf, dass tatsächlich alle Piercings auch bei einfacheren Eingriffen komplett entfernt werden müssen. So wird das Risiko sowohl für den Arzt als auch für dich als Patient verringert.

Piercings im Bereich des Mundes und der Nase
Wenn du Piercings im Mund-Nasen-Bereich trägst, solltest du dich darauf einstellen, dass im Falle einer Operation alle Piercings entfernt werden müssen. Hier gibt es auch absolut keine Alternative mit Schmuckstücken aus PTFE! Der Grund liegt auf der Hand: Die Atemwege müssen während einer Operation immer frei sein, auch dann, wenn du nur lokal betäubt wirst oder eine PDA erhältst. Bei einem operativen Eingriff kann es immer zu Komplikationen kommen, die eine Vollnarkose erforderlich machen. In solch einem Fall muss schnell reagiert werden. Um deine Atmung sicherzustellen, muss ein Tubus in die Luftröhre eingeführt werden. Jedes Piercing im Bereich der Atemwege kann hier hinderlich sein, und Verletzungen sind nicht ausgeschlossen. Dein Arzt muss jederzeit in der Lage sein, auf spontane Veränderungen zu reagieren, um lebensrettende Maßnahmen einleiten zu können.

Not-Operationen
Bei einer Not-Operation wird sich kein Arzt die Mühe machen, erst alle Diene Piercings zu entfernen, bevor er Dein Leben rettet. Nach Unfällen oder medizinischen Behandlungen, bei denen keinerlei Vorbereitung möglich ist, ist die Erhaltung des Lebens der vorrangige Faktor. Trägst du metallische Piercings, die Strom leiten, können bei einer Wiederbelebung mithilfe eines Defibrillators Verbrennungen in den Piercing-Umfeldern entstehen. Dies sollte dir in solch einem Notfall aber egal sein.

OP überstanden, Stichkanal zu – was tun?

Wenn du deine Piercings für einen operativen Eingriff entfernen musstest, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass der Stichkanal innerhalb kurzer Zeit zuwächst. Natürlich ist dies auch abhängig davon, an welcher Stelle sich deine Piercings befinden. Ein normales Ohrloch (Lobe) wächst nicht so schnell zu, wie Piercings im Knorpelgewebe, in den Brustwarzen, an den Augenbrauen, im Mund oder auch im Intimbereich. Natürlich ist es ärgerlich, wenn du nach der OP deine Piercings nicht mehr einsetzen kannst. Doch das ist kein Grund zur Verzweiflung.

Der Selbstversuch kurz nach dem medizinischen Eingriff:
Du kannst bereits kurz nach der OP versuchen, deinen Schmuck vorsichtig wieder einzusetzen. An einigen Stellen wird dir das sicherlich gelingen, an anderen vielleicht nicht. Wichtig ist, dass du auf gar keinen Fall versuchst, den Schmuck mit Nachdruck und Gewalt einzusetzen! Die Verletzungsgefahr ist hoch, und ein blutender Stichkanal ist immer auch ein möglicher Infektionsherd. Setze den Schmuck also nur ein, wenn du keinen Widerstand spürst.

Kontaktiere den Piercer deines Vertrauens:
Am besten sprichst du mit deinem Piercer darüber, dass du deine Piercings aufgrund eines medizinischen Eingriffs entfernen musstest. Er wird dir deinen schicken Körperschmuck gerne wieder einsetzen. Zunächst wird er sich jeden Stichkanal genau anschauen. Bei einzelnen hat sich vielleicht nur eine dünne Hautschicht gebildet, die problemlos wieder durchstochen werden kann. Andere Stellen wachsen sehr schnell komplett wieder zu. In diesem Fall ist es notwendig, das Piercing komplett neu zu stechen. Da sich bei Zuwachsen auch immer Narbengewebe bildet, muss genau geschaut werden, ob sich das Piercing wieder genauso setzen lassen wird, wie es ursprünglich mal war – in den meisten Fällen ist das möglich, doch Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel.

Fazit: Es ist gut möglich, dass es sich nicht vermeiden lässt, alle Piercings im Falle eines notwendigen medizinischen Eingriffs entfernen zu müssen. Mache dir bewusst, dass deine Gesundheit über allem steht. Sobald der Eingriff überstanden ist, lässt sich immer eine Lösung finden, damit du auch zukünftig deine Individualität wieder mit stylishem Schmuck unterstreichen kannst.

Piercings während der Schwangerschaft – das solltest du berücksichtigen

Es gibt nichts Schöneres als das Wunder des Lebens zu genießen. Die Schwangerschaft ist ein einschneidendes Erlebnis, das das komplette Leben in neue Bahnen lenkt. Was du beachten solltest, wenn du Piercings trägst und schwanger bist, erfährst du hier:

Wenn der Bauch wächst…

Grundsätzlich spricht natürlich überhaupt nichts dagegen, Piercings in der Schwangerschaft zu tragen. Lediglich das Bauchnabelpiercing könnte sich im Laufe der Zeit als problematisch erweisen. Dennoch musst du dein Piercing nicht gleich entfernen, nur weil sich dein Körper verändert und dein Bauch zur Kugel heranwächst. Einige Frauen empfinden das Piercing im wachsenden Bauchbereich während der Schwangerschaft als unangenehm, da der Bauchnabel empfindlicher wird, manchmal auch besonders stark hervortritt oder das Piercing anfängt zu spannen. In diesem Fall solltest du den Schmuck natürlich unbedingt entfernen.

Der Körper verändert sich

Je nach Ausführung des Piercings kann es sogar sein, dass sich die Haut rötet, entzündet oder im schlimmsten Fall reißt, weil sich der Kanal durch das Anwachsen des Bauches verlängert und sich das Piercing aufgrund seiner starren Struktur nicht flexibel anpassen kann. Da sich aber während einer Schwangerschaft nicht nur der Bauch verändert, sondern auch der Hormonhaushalt verrückt spielt, sind auch allergische Reaktionen auf das Piercing nicht ausgeschlossen – selbst wenn du noch nie allergisch auf deinen Schmuck reagiert hast. Dies kann dann auch nicht nur das Bauchnabelpiercing, sondern jede Art von Körperschmuck betreffen.

Das Schwangerschaftspiercing

Damit du auf dein Piercing während der Schwangerschaft nicht verzichten musst, solltest du rechtzeitig – bevor der Bauch größer wird – deinen Schmuck gegen ein Schwangerschaftspiercing austauschen. Hier gibt es genauso schicke und ansprechende Ausführungen wie bei deinem normalen Körperschmuck. Schwangerschaftspiercings sind überaus praktisch, denn sie sind flexibel genug, um deinen Bauch stilvoll zu verschönern, selbst wenn er zu einer ordentlichen Kugel heranwächst. Solche Piercings bestehen in der Regel aus Bioflex oder PTFE. Dabei handelt es sich um körperfreundliche Kunststoff. Diese Piercings lassen sich in jede erdenkliche Richtung verbiegen, sind überaus elastisch und sind nicht störend in der empfindlichen Bauchregion. Dieser Stab wächst regelrecht mit. Tipp: Creme deinen Bauch regelmäßig ein, damit auch die Haut schön weich und geschmeidig bleibt.

Den Schmuck rechtzeitig wechseln

Je größer der Bauch wird, desto schwieriger wird es alternativen Schmuck einzusetzen. Da aber jede Schwangerschaft anders verläuft und dein Bauch nicht nach einem vorherbestimmten Plan anwächst, gibt es keinen festgelegten Zeitpunkt, um den Schmuck auszutauschen. Spätestens, wenn dein normales Piercing anfängt, zu spannen, solltest du nicht mehr länger warten. Am besten wechselst du den Schmuck, bevor sich dein Bauch sehr wölbt. Das Einsetzen des neuen Schmucks gestaltet sich viel einfacher, wenn der Bauch noch normale Maße hat. Je länger du also wartest, desto schwieriger wird sich der Austausch gestalten. Hast du den Zeitpunkt verpasst, an dem sich ein Piercing noch problemlos wechseln lässt, kann dies zur Folge haben, dass sich der neue Schmuck nicht mehr einsetzen lässt. Es ist sehr wahrscheinlich, dass der Stichkanal dann zuwächst. Also lieber früher als später das Schwangerschaftspiercing einsetzen. So bleibt dir dein Piercing auch während der Schwangerschaft erhalten und du kannst die Kugelzeit schmerzfrei genießen.

Der Tag der Geburt

Viele Ärzte fordern, dass Piercings während eines medizinischen Eingriffs entfernt werden – das gilt auch für Schwangerschaften. Ob du deinen Schmuck während der Geburt behalten darfst oder du ihn entfernen musst, lässt sich nur im Einzelfall mit dem Klinikpersonal besprechen. In vielen Fällen wird erwartet, dass du dein Schmuck einen Tag vor der Entbindung herausnimmst. Wird ein normaler Geburtsverlauf erwartet, so sind manche Ärzte nachsichtig, dennoch ist dies nicht selbstverständlich. Deine Gesundheit und die deines Kindes haben einfach Vorrang vor persönlichen Eitelkeiten. Da immer damit gerechnet werden muss, dass es zu Komplikationen kommen kann oder ein Kaiserschnitt erforderlich wird, ist es nachvollziehbar, dass Piercings die Abläufe stören oder zeitlich verzögern würden.

Nach der Entbindung

Natürlich kannst du dein Piercing schon kurz nach der Geburt wieder einsetzen. Da es eine gewisse Zeit dauert, bis sich dein Bauch wieder zurückbildet, solltest du auch in dieser Phase zu einem Schwangerschaftspiercing greifen. Erst wenn dein Bauch auf seine normale Größe geschrumpft ist, kannst du jederzeit deinen Lieblingsschmuck wieder einsetzen. Falls du dein Schwangerschaftspiercing als so komfortabel empfunden hast, dass du es gerne weiterhin tragen möchtest, dann ist auch das kein Problem. Die langen, flexiblen Kunststoffstifte lassen sich einfach kürzen.

Brustwarzenpiercings während der Schwangerschaft

Während der Schwangerschaft verändert sich nicht nur der Bauch, sondern der gesamte Körper. Besonders die Brüste werden sehr empfindlich und deutlich größer. Grundsätzlich spricht nichts dagegen, die Brustwarzenpiercings während der Schwangerschaft drin zu lassen. Doch auch hier ist es wie beim Bauchnabelpiercing – oftmals wird das Piercing während der Schwangerschaft als unangenehm empfunden. Dann sollten die Piercings entfernt werden. Spätestens im sechsten Monat sollte der Schmuck dann endgültig entfernt werden, denn sonst könnte das Stillen des Babys später problematisch werden. Da beim Stechen von Brustwarzenpiercings auch mehrere Milchkanäle verletzt werden, könnte der Milchfluss gestört werden. Bei einem Milchstau oder einem übermäßigen Milcheinschuss kann es im schlimmsten Fall zu einer Brustentzündung oder einem Abszess an der Brustwand kommen. Es ist also ratsam, Brustpiercings rechtzeitig zu entfernen.

Wichtig! Es versteht sich wohl von selbst, dass ein Baby nicht mit Brustwarzenpiercings gestillt werden darf. Metallische Gegenstände haben in Babys Mund nichts verloren. Zudem könnten Kugeln oder andere Piercingteile beim Saugen verschluckt werden. Erst der Monate nach dem kompletten Abstillen kannst du deinen Schmuck wieder einsetzen. Bis dahin haben sich deine Brüste erholt und normalisiert.

Piercings im weiblichen Genitalbereich

Da Piercings während des Geburtsvorgangs zu Verletzungen führen können, sollte Schmuck schon zu Beginn der Schwangerschaft entfernt werden. Intimpiercings können bereits während der erforderlichen gynäkologischen Untersuchungen stören. Außerdem ist es wichtig, dass der Stichkanal bis zur Geburt vollkommen verheilt. Während der Schwangerschaft verändert sich auch der Hormonhaushalt, dadurch entsteht eine höhere Entzündungsgefahr. Dies kann auch schon lange abgeheilte Piercings betreffen. Auch allergische Reaktionen können während einer Schwangerschaft nicht ausgeschlossen werden, selbst, wenn du vorher nie allergisch reagiert hast.

Piercings in Gold – Körperschmuck in edlem Metall

Piercings sind ein Ausdruck von Lebensgefühl und Freiheit. Gold hingegen ist ein Symbol für Wohlstand, Schönheit, Reinheit und Eleganz. In vielen Kulturen steht Gold auch für die Sonne, die Unsterblichkeit und die Weisheit. In einigen Regionen werden diesem Edelmetall sogar besondere Heilkräfte im Bereich der alternativen Medizin zugesprochen, doch diese lassen sich wissenschaftlich nicht belegen. Bekannt ist jedoch, dass Gold eine antibakterielle Wirkung hat. Dies ist einer der Gründe, warum sich Gold auch perfekt für Piercings eignet.

Moderner Piercing-Schmuck aus traditionellem Element

Klassische Ohrringe (Lobe) aus feinstem Gold sind seit jeher geläufig, ebenso wie Colliers oder Armbänder. Beim Piercingschmuck hat es jedoch lange gedauert, bis das edle Metall auch hier Einzug gehalten hat. Lange hatten Titan, Chirurgenstahl, PTFE und Bioplast die Führungspositionen, doch Gold ist auf dem besten Wege, den altbewährten Piercings den Rang abzulaufen. Die Faszination für Gold bringt dieses Edelmetall endlich auch beim Körperschmuck perfekt zur Geltung und damit direkt auf die Erfolgsspur. Piercings in Gold verkörpern einen ganz eigenen, unvergleichlichen Stil. Dieser Schmuck kombiniert auf geschickte Weise einen eleganten, geschmackvollen Lebensstil mit einer modernen, selbstbewussten und unorthodoxen Denkweise. Gold-Piercings sind ein deutliches Zeichen dafür, dass der auffällige Körperschmuck nach langer Zeit endlich im Mittelpunkt der Gesellschaft angekommen ist.

Unterschiedliche Goldlegierungen

Feingold ist ein sehr weiches Metall, daher ist es in seiner Reinform nicht für die Herstellung von Piercings oder anderem Schmuck geeignet. Die Schmuckstücke würden sehr schnell zerkratzen oder verbiegen. Daher wird Gold immer mindestens ein weiteres Metall durch Verschmelzen hinzugefügt. Meistens sind es ganze Metallmischungen, die dem Gold seine letztendliche Farbe und Festigkeit verleihen. Es gibt verschiedene Metalle, die sich gut mit Gold verbinden lassen und dem Schmuck so zu Stabilität, Formbarkeit, Leitfähigkeit und Widerstandsfähigkeit verhelfen. Gebräuchliche Beimischungen sind unter anderem Kupfer, Titan, Palladium, Silber, Nickel, Zinn oder auch Zink. Ferner können durch die Kombination mit anderen Metallen auch Farbtonveränderungen vorgenommen werden. Feingold hat in seiner Reinform einen gelblichen Farbton. Durch Legierungen können weißliche, rötliche und sogar grünliche Farbvarianten erzielt werden. Letztere sind im Schmuckbereich jedoch nicht zu finden.

Maßeinheiten für Gold

Früher gab die Maßeinheit Karat darüber Aufschluss, wie hoch der Anteil des Goldes innerhalb einer Legierung war. Mittlerweile hat aber auch in diesem Bereich das metrische System Einzug gehalten, so dass eine Angabe in Promille üblich ist. Beide Bezeichnungen werden heute gleichermaßen genutzt und sind als Punze bei jedem Schmuckstück zu finden. Der Goldanteil und somit auch der Wert eines Piercings aus Gold lässt sich auf diese Weise schnell ermitteln.

Die geläufigsten Legierungen:

Es gibt zahlreiche Legierungen, doch im Bereich Piercingschmuck sind die folgenden Werte geläufig:

333er Gold entspricht 8 Karat
585er Gold entspricht 14 Karat
750er Gold entspricht 18 Karat
999er Gold entspricht 24 Karat (Feingold)

333 bedeutet somit, dass 333 Einheiten Gold bei 1000 Gewichtseinheiten enthalten sind.

Sind Erstpiercings in Gold möglich?

Ja, auch als Erstpiercings eignen sich Piercings aus Gold. Hierbei besteht der Stecker aus PTFK mit einem Aufsatz in Echtgold. PMFK ist bei frisch gestochenen Piercings sehr gut verträglich, aber selbstverständlich eigenen sich diese Piercings auch für den Dauereinsatz. Allergien sind nahezu ausgeschlossen. Dieser leichte Kunststoff hat eine sehr glatte Oberfläche, daher bleiben Fremdsubstanzen oder auch das eigene Wundsekret schlecht daran haften. Das Material ist sehr flexibel und lässt sich leicht reinigen. Durch den goldenen Aufsatz präsentieren sich diese Piercings vom ersten Tag an besonders hochwertig.

Edelmetall am ganzen Körper

Goldene Piercings können an jeder Körperstelle eingesetzt werden. Sowohl Nasenstecker und -ringe, Bauchnabelpiercings, Barbells, Segmentringe als auch Augenbrauchenpiercings oder Stecker für Helix, Rook oder Tragus sind in vielen verschiedenen Varianten verfügbar. Von schlicht und dezent bis raffiniert und auffällig ist hier alles möglich. Diese Schmuckstücke überzeugen nicht nur durch ihre hohe Wertigkeit, sondern auch durch die ansprechende Optik. Gelbgold, Roségold, Weißgold – auch farblich steht hier die Welt offen. Unterschiedliche Schmucksteine, Motive oder Symbole verleihen dem Schmuck eine besondere Ausstrahlung und ganz persönliche Bedeutung.

Ein besonderes Highlight

Piercings im Gesicht oder an den Ohren sind jederzeit sichtbar, daher ist die Entscheidung für Piercingschmuck in Gold ein echtes Statement. Sie unterschieden sich deutlich von den typischen Schmuckstücken, die sich bisher in silbrigen/chromfarbenen Varianten präsentierten. Doch auch an Stellen, die nicht für jedermann zu sehen sind, sind Gold-Piercings überaus reizvoll. Ein Bauchnabelpiercing in Gelbgold wird beim nächsten romantischen Date ganz sicher für Gesprächsstoff sorgen.

Goldene Piercings reinigen

Der Echtgold-Schmuck lässt sich genauso problemlos reinigen wie alle anderen Piercings. Bei frisch gestochenen Piercings empfiehlt es sich, das Piercing und die Wunde nicht öfter als zweimal täglich zu reinigen. Hierfür reicht es vollkommen aus, die Stelle mit einem Desinfektionsspray zu besprühen und bei Bedarf mit einem trocknen, fusselfreien Tuch vorsichtig abzutupfen. Zu häufiges Säubern der Wunde kann zu Reizungen und Entzündungen führen, so wird der Heilungsprozess unnötig verlängert. Natürlich ist eine tägliche Kontrolle wichtig, um Schwellungen, Rötungen oder Entzündungen zu erkennen. Der Heilungsprozess kann je nach Körperstelle unterschiedliche lange dauern. Bei Problemen sollte der Piercer oder ein Hautarzt kontaktiert werden.

Allergische Reaktion auf Gold?

Allergien auf Goldschmuck sind überaus selten, aber nicht ausgeschlossen. Wobei es nur in den wenigsten Fällen das reine Gold ist, das eine allergische Reaktion auslöst – meistens sind es die beigemischten Metalle, die eine Allergie begünstigen. Ein Hautarzt kann bei einem Allergietest auf verschiedene Metalle feststellen, ob eine Allergie auf Gold oder eher auf ergänzende Zusatzmetalle vorliegt. Anzeichen für eine Allergie können sein: Hautrötungen, Juckreiz, leichte bis schwere Hautausschläge, Ekzeme, Pusteln, Pickel oder auch schuppige Haut. Eine Allergie auf Gold ist übrigens nicht sofort offensichtlich, da es sich hierbei um eine reine Kontaktallergie handelt. Der Körper muss dauerhaft mit Gold in Verbindung sein, um eine Reaktion zu zeigen. Wer also eine Halskette morgens an- und abends ablegt, wird kaum allergisch reagieren. Da bei Piercings aber ein Dauerkontakt zur Haut besteht, ist eine Allergie nicht komplett auszuschließen. Da aber in den meisten Fällen die beigefügten Metalle die Allergien auslösen – und nicht das Gold selbst – kann es hilfreich sein, ein Piercing mit einer höheren Goldlegierung auszuwählen.

Piercings: der richtige Zeitpunkt, um den Schmuck zu wechseln

Die Entscheidung, sich ein Piercing stechen zu lassen, ist nicht nur mit einem optischen Effekt, sondern auch mit Verantwortung dem eigenen Körper gegenüber verbunden. Die Auswahl an schönen, stylischen und ansprechenden Piercing-Schmuckstücken ist groß, doch die Stichwunde sollte erst vollkommen ausgeheilt sein, bevor der Schmuck gewechselt wird. Wann ist also der perfekte Zeitpunkt, um den Schmuck auszutauschen? Diese Frage lässt sich pauschal nicht beantworten und hängt von vielen unterschiedlichen Faktoren ab. An welcher Stelle wurde das Piercing gestochen? Welcher Erstschmuck wurde verwendet? Wie verläuft der Heilungsprozess? Der Mensch ist ein Individuum, daher verläuft der Heilungsprozess bei jedem anders. Zudem spielt die Hygiene und die Pflege des frisch gestochenen Piercings eine entscheidende Rolle. Der beste Zeitpunkt, ein Piercing auszutauschen ist erreicht, wenn der Stichkanal völlig ausgeheilt, entzündungs- und schmerzfrei ist.

Der Heilungsprozess von Piercings

Wie lange es dauert, bis ein Piercing vollkommen ausgeheilt ist, lässt sich nicht mit einem festen Zeitpunkt bestimmen. Die folgende Liste dient somit als hilfreiche Orientierung bei einem normalen Heilungsverlauf. Treten Störungen oder Komplikationen auf, kann sich diese Zeit entsprechend verlängern.

Augenbrauenpiercing:
Augenbrauenpiercings heilen im Regelfall recht schnell ab. 4 bis 8 Wochen reichen in den meisten Fällen aus, um zu verheilen.

Bauchnabelpiercings:
Hier kann die Heilungsdauer sehr variieren – zwischen 4 und 12 Monaten sind einzuplanen. Da Piercings am Bauchnabel häufig äußeren Einflüssen ausgesetzt werden, ist eine intensive und aufmerksame Pflege unabdingbar. Gürtel, Hosenbund und andere Reibungen mit Textilien können das Piercings immer wieder reizen und den Heilungsprozess verzögern. Gerade bei diesem Piercing spielt auch das persönliche Immunsystem eine große Rolle. Eine gesunde Lebensweise trägt zu einem schnelleren Heilungsverlauf bei.

Brustwarzenpiercing:
Die Brustwarze ist besonders empfindlich und das Gewebe entsprechend empfindlich. Zudem ist der Stichkanal relativ lang. 6 bis 12 Monate sind hier für den Heilungsverlauf durchschnittlich einzukalkulieren. Doch auch hier spielt der allgemeine Gesundheitszustand eine große Rolle. Während des Heilungsprozesses sollte der Konsum von Zigaretten und Alkohol eingeschränkt, im Idealfall sogar ganz eingestellt werden. Eine gute und ausgewogene Ernährung kann den Heilungsverlauf dafür positiv beeinflussen.

Intimpiercings bei Frauen:
Intimpiercings heilen meistens besser als gedacht ab. Obwohl der Intimbereich sehr sensibel und empfindlich ist, verläuft der Heilungsprozess meistens unkompliziert ab. Piercings an den inneren Schamlippen (Labia Minora) benötigen üblicherweise zwischen 2 und 4 Monate, um abzuheilen. Bei den äußeren Schamlippen (Labia Majora) ist eine Heilungszeit von 4 bis 6 Monaten einzuplanen. Diese Differenz erklärt sich dadurch, dass die äußeren Schamlippen leicht an Slips und Hosen reiben, somit leichter gereizt werden können, während die inneren Schamlippen relativ geschützt sind. Eine intensive Pflege sollte selbstverständlich sein. Kamillebäder können den Heilungsverlauf begünstigen. Auf Geschlechtsverkehr ist in den ersten Wochen zu verzichten.

Intimpiercings beim Mann:
Piercings im Intimbereich des Mannes können an verschiedenen Stellen gesetzt werden. Der Heilungsprozess hängt daher entscheidend von der gewählten Stelle ab. Piercings, die durch die Eichel (Ampallang) oder den Schwellkörper (Apadravya) gestochen werden, benötigen in der Regel zwischen 4 und 12 Monate zur Heilung, in Einzelfällen auch länger. Gleiches gilt auch für das Prinz Albert-Piercing. Oetang-, Pubic-, Guiche- oder Frenulum-Piercings – also alle Piercings, die nur durch dünne Haut gestochen werden – heilen deutlich schneller. In den meisten Fällen sind die Stichkanäle bereits nach 2 bis 6 Wochen vollkommen verheilt. Bei Intimpiercings ist auf eine perfekte Hygiene zu achten. Auf Geschlechtsverkehr ist in den ersten Wochen der Heilung zu verzichten.

Lippenpiercings:
Der Bereich rund um die Lippen heilt im Regelfall recht schnell ab. Nach 4 bis 7 Wochen ist der Heilungsprozess meistens schon abgeschlossen. Es wird empfohlen, als Erstschmuck Stecker oder Stäbe einzusetzen. Bei gebogenen Piercings oder Ringen kann sich die Heildauer verlängern.

Lippenbändchen-Piercing:
Beim Lippenbändchen ist der Stichkanal besonders kurz, da das Bändchen sehr dünn ist. Der Heilungsprozess dauert daher selten länger als 2 bis 4 Wochen.

Piercing im Nasenflügel (Nostril):
Der Nasenflügel ist relativ dick, heilt aber meistens innerhalb von 4 bis 8 Wochen komplett aus. Wichtig ist hier, beim Putzen der Nase äußerst vorsichtig zu sein, um mit dem Taschentuch nicht am Piercing hängenzubleiben.

Piercing Nasenscheidewand (Septum):
Bei einem Piercing durch die Nasenscheidewand ist mit einer Heilungsdauer von 6 bis 12 Wochen zu rechnen.

Ohrpiercings (Lobe):
Die klassischen Ohrlöcher sind die bekanntesten und einfachsten Piercings. Die Löcher in den Ohrläppchen sind meistens bereits nach 2 bis 4 Wochen verheilt.

Piercings durch den Ohrknorpel:
Da der Ohrknorpel aus einem sehr festen Gewebe besteht, ist der Heilungsprozess nach dem Stechen eines Piercings entsprechend langwierig. 4 bis 6 Monate sind in diesem Bereich nicht ungewöhnlich (z. B. Helix oder Tragus). Gepunchte Piercings heilen an diesen Stellen oftmals schneller. Ein gut ausgebildeter Piercer kann hier fachkundig beraten und Hilfestellung bei der Entscheidung bieten.

Zungenpiercing:
Der Heilungsverlauf bei Zungenpiercings ist sehr unterschiedlich und hängt von vielen Faktoren ab. Da das Gewebe der Zunge sehr weich ist, kann der Heilungsprozess durchaus nach 3 bis 5 Wochen abgeschlossen sein. Hier ist jedoch die Ernährung von entscheidender Bedeutung. Milchprodukte, säurehaltige Lebensmittel, Säfte oder auch Alkohol und Zigaretten verzögern den Heilungsprozess erheblich. So sollte gerade bei diesem Piercing auf eine gesunde Lebensweise geachtet werden.

Piercingschmuck wechseln

Das Wechseln eines Piercings kann sich als äußerst filigrane Aufgabe gestalten. Das Piercing sollte erst ausgetauscht werden, wenn der Stichkanal vollständig ausgeheilt ist. Wer unsicher ist, sollte den ersten Schmuckwechsel vom Piercer durchführen lassen. Der Erstschmuck muss vorsichtig entfernt werden, um den frisch ausgeheilten Stichkanal nicht erneut zu verletzen. Zudem sind Kugeln und Aufsätze teilweise sehr klein und somit schlecht zu halten. Vor dem Spiegel verhindern die Finger häufig den Blick auf das Piercing, so dass es sich als schwierig erweist, den neuen Schmuck richtig zu stecken oder zu verschrauben. Es ist ein echtes Geduldsspiel, doch wie bei allem im Leben macht auch hier die Übung den Meister. Zu berücksichtigen ist ebenfalls, dass sich Schmuck bei Piercings mit kurzem Stichkanal einfacher wechseln lassen als bei Piercings mit langem Stichkanal. Beim Bauchnabel- oder Brustwarzenpiercing sollte also entsprechend Zeit eingeplant und behutsam vorgegangen werden.

Bitte beachten!
Die hier angegebenen Heilungszeiten sind lediglich Richtwerte und setzen eine angemessene Pflege und Hygiene voraus. Der Heilungsverlauf wird durch den persönlichen Lebenswandel, den gesundheitlichen Status, die Ernährung, verschiedene Umwelteinflüsse, das Material des Schmucks und noch viele weitere Faktoren beeinflusst. Es ist also gut möglich, dass die Heilung schneller verläuft oder auch länger dauert. Sollten während des Heilungsprozesses Probleme auftreten (z. B. Reizungen, Entzündungen, Blutungen, wildes Fleisch), ist es wichtig, den Piercer zu kontaktieren, im Zweifelsfall auch einen Hautarzt. In den seltensten Fällen ist es notwendig, das Piercing zu entfernen. Doch dies ist im Einzelfall und unter medizinischen Aspekten zu entscheiden.