Mitten im Gesicht – Piercings an der Nase

Piercings an der Nase gehören zu den ältesten und bekanntesten Piercings überhaupt und werden seit Jahrtausenden von unterschiedlichen ethischen Bevölkerungsgruppen getragen. Hier spielen nicht nur die Schönheit, sondern vor allen Dingen auch rituelle oder spirituelle Gründe eine große Rolle. In den 60er- und 70er-Jahren kam das Interesse an Nasen- und anderen Piercings mit der Hippiekultur aus Indien zu uns und wurden zunächst von den Punks übernommen und etabliert. So wurde das Nasenpiercing vom traditionellen Schmuck zu einem rebellischen Accessoire.

Studien aus Deutschland belegen, dass mittlerweile jeder fünfzehnte Deutsche ein Piercing trägt. Das entspricht etwa fünf Millionen Menschen. Damit ist besiegelt: Piercings sind in der Gesellschaft angekommen.

Die verschiedenen Nasenpiercings

Die Nase bildet den Mittelpunkt Deines Gesichts. Mit Nasenpiercings wird deine Nase zu einem echten Eyecatcher, denn diese Schmuckstücke lassen sich nicht verbergen. Es gibt die unterschiedlichsten Stellen, die für Piercings infrage kommen und deine Nase somit perfekt in Szene setzen.

1. Nostril

Ursprung: Vor etwa 4.000 Jahren im Mittleren Osten praktiziert, erreichte das Nostril-Piercing im 16. Jahrhundert Indien. Die Frauen tragen auch heute noch das Nostril aus medizinischen Gründen am linken Nasenflügel. In der Ayurveda-Medizin ist man davon überzeugt, dass diese Region an der Nase mit den weiblichen Geschlechtsorganen in Zusammenhang steht und Geburten aus diesem Grund unkomplizierter verlaufen. Bei dem indischen Volksstamm der Apatani werden alternativ auch kleine Holzplatten in den Nasenwänden (Flesh Tunnel) getragen. Dies ist allerdings eine Tradition, die bei den jüngeren Frauen heute kaum mehr Beachtung findet.

Beim Nostril wird der linke oder rechte Nasenflügel durchstoßen und mit einem Stecker oder einem Ring verziert. Die Möglichkeiten sind schier unendlich, von minimalistisch mit einem schlichten Stecker mit kleinem Schmucksteinchen, bis hin zu extravagantem Glitzer und Glamour ist alles möglich. Dieses Piercing ist sehr beliebt und kann fast schmerzfrei vom Piercer deines Vertrauens gestochen werden.

Empfehlung: Wenn du langfristig einen Ring im Nasenflügel tragen möchtest, solltest du dich trotzdem zuerst für einen Stecker entscheiden. So bleibt der Stichkanal zunächst gerade und kann einfacher ausheilen. Natürlich kann auch gleich zu Beginn ein Ring eingesetzt werden. Der Heilungsprozess könnte aber länger dauern, da der Stichkanal durch die Biegung immer unter Spannung steht.

2. Septum

Ursprung: Dieses Piercing findet sich in weit mehr Kulturen als das Nostril-Piercing. In Afrika, Asien und Amerika trugen die Menschen Schmuck aus Knochen, Aluminium oder Gold aus ästhetischen, traditionellen oder religiösen Beweggründen. Schon bei den Azteken, Inka und Maya waren aus Gründen des Glaubens Septum-Piercings aus Jade oder Gold weit verbreitet. Diese alte Tradition wird teilweise von dem Volk der Kuna in Panama bis heute fortgesetzt und in besonderen Ritualen praktiziert.

Beim Septum-Piercing wird die feine Nasenscheidewand durchstochen. Am beliebtesten sind bei diesem Piercing Schmuckstücke in Ring- oder Hufeisenform. Eine wunderschöne und auffällige Art sein Piercing zu zeigen. Für das Septum stehen ebenfalls die unterschiedlichsten Schmuckstücke in verschiedenen Größen und Designs zur Verfügung. Du kannst zwischen schmalen, anliegende Ringen, Hufeisen in unterschiedlichen Größen und Durchmessern und Septum Clickern mit Ornamenten und Steinchen deinen Lieblingsschmuck frei auswählen.

Tipp: Falls du dein Septum-Piercing gerne mal verstecken möchtest oder aus beruflichen Gründen sogar musst, greifst du am besten zu einem Hufeisen-Piercing. Dieses kannst du einfach nach innen drehen und schon ist es nicht mehr sichtbar. Die Atmung wird dadurch nicht beeinträchtigt.

3. Septril

Eine relativ seltene, aber durchaus attraktive und faszinierende Variante des Septum-Piercings ist das Septril. Voraussetzung ist hier zunächst ein Septum-Piercing, da für den ergänzenden Schmuck an der Nasenspitze der Stichkanal des Septum-Piercings genutzt wird. Für das Septril wird ein kleiner Stecker zwischen den Nasenlöchern, fast an der Nasenspitze gestochen. Septum und Septril passen perfekt zusammen, sehen auch allein getragen fantastisch aus.

4. Bridge

Ursprung: Das Bridge-Piercing wird auch Erl-Piercing genannt und geht auf Erl Van Aken (1939-2013) zurück, ein Liebhaber von Tattoos, Er gilt als der erste Mensch, der dieses Piercing getragen haben soll. Ob dies wirklich den Tatsachen entspricht, bleibt offen – zumindest trägt dieses Piercing seinen Beinamen.

Der Name „Brücke“ kommt nicht von ungefähr. Zwischen den Augen, direkt an der Nasenwurzel wird die Haut durchstochen, ein Stäbchen eingebracht und mit zwei Kügelchen geschlossen. Das Piercing liegt im oberen Bereich der Haut und bedarf besonders intensiver Pflege, damit es nicht zu Irritationen kommt.

5. Austin-Bar

Dieses Piercing gehört ebenfalls zu den Bridge Piercings, wird allerdings direkt durch die Nasenspitze gestochen und liegt ebenfalls sehr nah an der Hautoberfläche. Auch dieses Piercing bedarf einer besonders intensive Pflege, da das Gewebe an der Nasenspitz stark durchblutet ist und es somit schnell zu Entzündungen und anderen Hautirritationen kommen kann. Als Schmuck wird ein Barbell empfohlen.

6. Rhino

Beim Rhino Piercing wird vertikal durch die Nasenspitze gestochen. Eine Kugel sitzt oberhalb, die andere unterhalb der Nasenspitze. Der Name „Rhino“ liegt nahe, da das Piercing wie ein kleines Horn auf der Nase sitzt – wie bei einem Nashorn. Dieses Piercing zählt wie das Nasallang eher zu den seltener gestochenen Piercing, doch es hat durchaus das Potenzial, sich zu einem neuen Piercingtrend zu mausern.

7. Nasallang

Ursprung: Das Nasallang kommt wie viele anderen Piercings aus Indien und war ein Zeichen der Männer für Tapferkeit im Krieg. Bekannt gemacht wurde es durch den Piercer Cliff Cadaver, der einen Guide über Piercings verfasste.

Das Nasallang ist nicht sehr weit verbreitet. Es wird durch beide Nasenflügel und den oberen Bereich der Nasenscheidewand gestochen. Verbunden wird es durch ein Barbell, einem geraden oder leicht gebogenen Stäbchen an dessen Enden sich Kugeln zum Fixieren befinden. Auf den ersten Blick wirkt es fast wie ein beidseitiges Nostril. Wer es also lieber ungewöhnlich mag, ist mit einem Nasallang bestens bedient.

Du spielst mit dem Gedanken, dir ein Nasenpiercing stechen zu lassen?

Wenn du noch keine Piercings hast, stellst du dir sicherlich die Frage, ob das Stechen eines Nasenpiercings wehtut. Diese Frage kann nicht generell beantwortet werden, da jeder Mensch ein unterschiedliches Schmerzempfinden hat. Während ein Septum fast schmerzfrei zu stechen ist, weil das Gewebe sehr weich ist, empfinden viele Gepiercte den Stich bei einem Nostril als eher unangenehm, weil das Knorpelgewebe der Nasenflügel fester ist. Noch anspruchsvoller wird es bei Rhino und Nasallang aber auch da überwiegen die positiven Aussagen.

Letztendlich ist ausnahmslos jedes Piercing ein Eingriff in deinen Körper. Eine Kanüle verursacht einen Stichkanal – ganz gleich an welcher Stelle. Wenn du unsicher bist oder Bedenken hast, kann ein aufklärendes Gespräch mit dem Piercer deines Vertrauens Abhilfe schaffen. Er wird dir seine Vorgehensweise genau erklären, dir deine Fragen beantworten und dir deine Ängste nehmen. Der Vorgang des Stechens geht sehr schnell und ist in ein paar Sekunden überstanden.

Die Pflege deines Nasenpiercings

Du hast dich dazu entschlossen, dir ein Nasenpiercing stechen lassen – herzlichen Glückwunsch! Damit du auch lange Freude an deinem Schmuck hast, solltest du unbedingt auf eine regelmäßige und ordentliche Pflege achten. Wie bei jedem Piercing kann es zu Entzündungen, Irritationen, eitrigen oder blutigen Absonderungen und Rötungen kommen. Bevor du dich der Reinigung und Pflege widmest, solltest du dir die Hände waschen und desinfizieren. Verwende nur Pflegeprodukte, die sich für Piercings eigenen. Dein Piercer wird dich diesbezüglich gerne beraten. Der jeweilige Heilungsprozess hängt in erster Linie von der Körperstelle ab. Doch auch weitere Faktoren wie dein Lebenswandel und deine Ernährung haben Einfluss auf die Heilung.

Der richtige Schmuck

Gerade an der empfindlichen Nase solltest du zunächst einen gut verträglichen Erstschmuck einsetzen lassen. Ist alles gut ausgeheilt, kannst du deinen Schmuck austauschen. Sei gerade an der Nase besonders vorsichtig, um den Stichkanal nicht unnötig zu reizen. Solltest du unsicher sein, lass dir von deinem Piercer helfen. Er kann dein Erstpiercing gegen deinen Wunschschmuck mit nur wenigen Handgriffen austauschen.

Partner-Piercings – eine Tradition im Umbruch

Verliebt, verlobt, verheiratet – wenn das Herz höherschlägt und Pläne für die Zukunft geschmiedet werden, wünschen sich die meisten Paare auch ein sichtbares Symbol für ihre Liebe. Klassischerweise sind das Ringe. Angefangen mit einem Freundschaftsring, später wird der Verlobungsring getragen, und wer den Bund der Ehe schließt, wechselt bei der Trauung die Eheringe. Im Laufe der Zeit haben sich sogar diese traditionellen Schmuckstücke sehr verändert. Es muss nicht mehr Gold, Silber oder Platin sein. Heute besiegeln auch Ringe aus Wolfram, Carbon oder Holz den Bund der Ehe. Doch es gibt auch ganz andere Möglichkeiten: Piercings als Zeichen der Liebe.

Piercings für Paare – Symbole der Verbundenheit

Piercings sind nicht nur attraktive Schmuckstücke, sondern können auch eine besondere Bedeutung haben. Gerade Paare verliehen den Steckern und Ringen häufig eine tiefgründige Symbolkraft. Wenn du deiner Herzensdame oder deinem Traumprinzen ein Piercing als Zeichen eurer Liebe schenken möchtest, solltest du dabei einiges beachten. Paar-Piercings sind am sinnvollsten, wenn sie an den gleichen Körperstellen platziert werden, z. B. an der Nase oder am Ohr. Habt ihr beide bereits Piercings an den gewünschten Stellen? Wenn noch kein Piercing an der gewünschten Stelle gestochen wurde, solltest du dir zunächst eins vom Piercer deines Vertrauens einsetzen lassen. Vielleicht macht ihr auch einen gemeinsamen Termin aus, dann kann der Piercer darauf achten, dass die Piercings auch tatsächlich an den gleichen Stellen gestochen werden. Lasst euch zunächst ganz normalen Erstschmuck einsetzen, dann das Piercing erst komplett ausheilen lassen. Bei guter Pflege sind die Stichkanäle – je nach Körperstelle – schnell ausgeheilt. Sind die Wunsch-Piercingstellen komplett verheilt, kannst du den Schmuck aussuchen, den du für deinen Heiratsantrag geplant hast.

Der Heiratsantrag mit Piercing

Du hast es dir gut überlegt und möchtest dich mit deinem Partner oder deiner Partnerin verloben? Ihr mögt beide faszinierenden Körperschmuck? Dann kannst du deiner Angebeteten oder Deinem Herzenspartner einen Heiratsantrag mit einem besonderen Piercing machen. Dieses Moment werdet ihr beide garantiert niemals vergessen.

Vielleicht möchtest du ja einen ganz klassischen Heiratsantrag mit modernen Methoden kombinieren. Letztendlich entscheidest du selbst wie, wann und wo du deiner oder deinem Liebsten einen Heiratsantrag machst. Dennoch solltest du dich gut vorbereiten, damit deine Überraschung auch mitten ins Herz trifft. Ein romantischer Ort, ein unvergessliches Ritual oder ein besonderes Ereignis machen deinen Heiratsantrag zu einer wunderschönen bleibenden Erinnerung.

Welcher Piercingschmuck eignet sich für deinen Heiratsantrag?

Rein theoretisch kannst du jeden Schmuck als Symbol der Liebe verwenden, da es in erster Linie um die Bedeutung geht, die du ihm beimisst. Du zeigst deiner oder deinem Angebeteten, dass du mit ihm oder ihr den Rest deines Lebens verbringen möchtest. Da die Hochzeit ein einschneidendes und lebensveränderndes Ereignis ist, sollte der Schmuck dies natürlich auch widerspiegeln. Piercingschmuck aus besonders edlen Materialien verliehen deinem Antrag garantiert die angemessene Ausstrahlung und Wirkung. Ein Piercing aus Carbon, Gelb- oder Roségold wären beispielsweise gut geeignet, da sie sich optisch von klassischen PTFE- oder Edelstahl-Piercings unterschieden und so zu einem echten Hingucker werden. Darf der Schmuck den Geldbeutel auch etwas mehr strapazieren, so kannst du natürlich auch zu einem Piercing mit einem echten Diamanten greifen. Wer kann solch einem Geschenk schon widerstehen?

Wenn du dich für den passenden Schmuck entschieden hast, bereite alles vor. Vielleicht stellst du vorher den Champagner kalt, schwingst dich in einen Anzug oder in dein schönstes Kleid (alternativ sind auch reizvolle Dessous möglich). Sorge für ein stimmungsvolles Ambiente und überlege dir, mit welchen Worten du deinen Gefühlen Ausdruck verleihen möchtest. Eine überaus romantische Vorstellung. Eventuell bietet aber auch ein Rockkonzert oder der nächste Urlaub am Strand mit Palmen und Meer die richtige Kulisse für deine Liebesbekundung. Lasse deiner Fantasie freien Lauf – du weißt am besten, was zu euch passt.

Tipp: Suche für deinen Piercingschmuck, den du als Partner-Piercing überreichen möchtest eine hübsche Verpackung aus. Eheringe werden schließlich auch nicht in Zeitung gewickelt übergeben. Eine kleine Schmuckschatulle oder ein Säckchen aus Samt oder Seide bringen deinen Schmuck perfekt zur Geltung. Mit solch einem Geschenk wirst du auf jeden Fall einen bleibenden Eindruck machen – du wirst sehen, eure Liebe wird regelrecht beflügelt.

Allergische Reaktionen bedenken

Sicherlich kennst du deinen Partner oder deine Partnerin sehr genau. Bei der Auswahl deines Partner-Piercings solltest du jedoch auch wissen, ob mit einer allergischen Reaktion gerechnet werden muss. Heutzutage sind zwar alle Materialien weitestgehend gut verträglich, dennoch kann es gelegentlich zu allergischen Reaktionen kommen – besonders dann, wenn du zu einem ungewöhnlichen Material greifst, das sich von klassischen Piercings unterschiedet. Um Deine oder deinen Liebsten davor zu bewahren, solltest du in Erfahrung bringen, ob Allergien bekannt sind. Es wäre doch sehr schade, wenn du wunderschöne Schmuckstücke als Zeichen euer Liebe aussuchst, und diese dann nicht getragen werden können.

Für jeden sichtbar oder geheimnisvoll versteckt?

Es gibt viele Körperstellen, die sich für ein Partner-Piercing eignen. Überlege dir gut, ob der Schmuck für jeden sichtbar sein soll oder ob du es bevorzugst, das Symbol deiner Liebe versteckt zu tragen. Am besten wählst du eine Stelle aus, in der der Schmuck dauerhaft bleiben kann. Piercings am Ohr oder an der Nase sind hier am einfachsten. Auch an der Lippe oder in der Zunge kann ein Partner-Piercing getragen werden. Für den besonderen Kick könnt ihr euch auch für Brustwarzen- oder Intimpiercings entscheiden. Solche Piercings haben einen ganz besonderen Reiz, allerdings gibt es hier doch einiges zu bedenken. Frauen müssen Piercings in intimen Bereichen bei einer eventuellen Familienplanung herausnehmen. Piercings im Schambereich müssen bei der Geburt entfernt werden. Wird ein Baby gestillt, muss das Brustwarzenpiercing raus. Ob sie später wieder eingesetzt werden (können), steht in den Sternen. Augenbrauen-, Industrial- oder Tragus-Piercings sind wesentlich beständiger als Paar-Piercings und somit besser geeignet.

Ringtausch mit Piercings?

Die Vorstellung, dass du deinen Nasenring rausnimmst, um ihm deine Traumprinzessin oder deinem Traumprinzen zu geben, klingt romantischer als es ist. Das kann man sicherlich mit Ketten, Ringen oder Armbändern machen – für Piercings ist diese liebevoll gemeinte Geste nicht anzuraten. Piercingschmuck eignet sich nicht als Schmuckstück zum Tausch. Neuer Schmuck sollte immer gereinigt und desinfiziert sein, um auch bereits ausgeheilte Stichkanäle nicht zu reizen. Da sind an jedem Schmuckstück Keine befinden, besteht die Gefahr von Entzündungen und Vereiterungen. Da mit würde die ganze glanzvolle Romantik schnell ein Ende finden. Wenn du also Partner-Piercings in Betracht ziehst, dann kaufe bitte neuen Schmuck, der speziell für diese liebevolle Zeremonie angeschafft wird.

Ist das Modell „Ehe“ überholt?

In der heutigen Zeit ist es nicht mehr notwendig, den Bund der Ehe offiziell vor Staat oder Kirche zu schließen. Immer mehr Paare leben in einer „wilden Ehe“. Sogar die Gesellschaft hat diese Entwicklung mittlerweile verstanden und akzeptiert. Viele Menschen leben in „eheähnlichen“ Verhältnissen und werden rechtlich als Ehepaar betrachtet – diese Akzeptanz ist ein Schritt in die richtige Richtung. Du kannst dir also überlegen, ob du deinen Piercingschmuck einfach als Symbol für eure Partnerschaft verwendest oder ob du damit tatsächlich den Bund der Ehe schließen möchtest.

Ob ihr bei einer offiziellen Trauzeremonie tatsächlich Piercings anstatt Ringe tauschen könnt, solltest du mit dem für dich zuständigen Standesbeamten abklären. Sollte dies nicht möglich sein, könnt ihr den Ringtausch auch ausfallen lassen – das ist durchaus möglich. Dann könnt ihr die Piercings anschließend in bei der Hochzeitsfeier in Kreise eurer Freunde und Familien tauschen. Eine weitere Lösung wäre es, im Standesamt oder der Kirche ganz klassisch die Eheringe und später dann die Piercings zu tauschen. Ihr hättet dann traditionelle Ringe, die auch die Öffentlichkeit als solche erkennt, und eure Piercings, die für euch eine ganz besondere Bedeutung hätten.

Piercings Extrem – verrückte Rekorde

Piercings sind mittlerweile mitten in der Gesellschaft angekommen. Doch es gibt große Unterschiede! Wie bei fast allem im Leben neigt der Mensch dazu, sich messen zu wollen. Es gibt die, die sich mit einem oder wenigen Schmuckstücken begnügen – und dann gibt es die, für die das Piercing eine Obsession geworden ist. Es gilt Rekorde aufzustellen und diese wieder zu brechen. So ist es nicht verwunderlich, dass auch im Bereich des Körperschmucks einige Weltrekorde der extremen Art zu verzeichnen sind. Je mehr, desto besser – je verrückter, desto cooler. Die Faszination ist riesig, denn auch wenn Piercings heute in allen Gesellschaftsschichten und Altersgruppen zu finden sind, so gibt es immer jemanden, der hervorsticht und die Aufmerksamkeit auf sich zieht.

Vielleicht warst du ja selbst schon mal auf einer Tattoo- und Piercing-Convention. Auch auf Erotikmessen sind häufig Menschen anzutreffen, die das Piercen und andere Bodymodifications in ungeahntem Maße ausleben.

Hier ein paar Beispiele:

Die Frau mit den meisten Piercings – am und im Körper

Elaine Davidson wurde 1965 in Brasilien geboren. Das erste Piercing wurde ihr im Jahr 1997 gestochen, doch damit nicht genug. Sie hat es als Frau mit den meisten Piercings im Jahr 2000 ins Guinness-Buch der Rekorde geschafft. Das erste Piercing wurde ihr im Jahr 1997 gestochen. Mit 462 Piercings, davon alleine 192 im Gesicht, sorgt sie nicht nur für Erstaunen, sondern eben auch für einen Weltrekord. Doch damit noch lange nicht genug. Elaine hat nach eigenen Aussagen mittlerweile mehr als 11.000 Piercings nicht nur am, sondern auch IM Körper. Alleine die Piercings, die sie im Körperinneren trägt, haben ein Gewicht von mehr als 3 kg. Kein Wunder also, dass diese Frau eine echte Attraktion ist. Wo sie auftaucht, steht sie im Mittelpunkt.

Der Mann mit den meisten Piercings

Er kann zwar Elaine noch lange nicht das Wasser reichen, aber dennoch hat auch er einen Rekord aufgestellt. Rolf Buchholz ist Informatiker und der deutsche Rekordhalter mit einem Eintrag im Guinness-Buch der Rekorde. Seit 1999 bekam der seinen Titel für seine 561 Piercings, die sich über seinen ganzen Körper verteilen, verliehen. Bis heute hält er seinen Rekord. Alleine 170 Schmuckstücke trägt er im Gesicht, erstaunliche 278 in seinem Intimbereich. Da fallen die gespaltene Zunge und die beiden implantierten Hörner kaum auf.

Zungenpiercing-Rekord

Es geht auch eine Nummer kleiner, dafür aber immer noch extrem. Francesco Vacca stellte im Jahr 2021 ebenfalls einen Weltrekord auf und hat sich so im Guinness-Buch verewigt. Er hat mit 16 Piercings in der Zunge einen Titel verliehen bekommen. Mittlerweile hat er sich seinen eigenen Rekord gebrochen und sich weitere vier Zungenpiercings stechen lassen. Somit schmücken nun 20 Piercings seine Zunge.

Piercer und Tattookünstler mit Weltrekorden

Dies sind nur drei Beispiele, wie weit einige gehen, um mit ihren Piercings neue Maßstäbe zu setzen. Mit drei Helix und einem Industrial ist es hier noch lange nicht getan. Wie in nahezu allen Bereichen gilt es auch hier, Grenzen zu sprengen und gegen den Strom zu schwimmen. Es ist immer Luft nach oben, es geht immer noch eins mehr – der Körper ist eine Leinwand, die zum Kunstwerk wird. Bei Tattoofreunden ist es nicht ungewöhnlich, wenn der ganze Körper in Tinte gehüllt ist. Auch hier gibt es natürlich diverse Rekorde zu verzeichnen. Doch es sind nicht nur die stolzen Träger, auch Piercer und Tattookünstler sind immer wieder auf der Jagd nach Rekorden. So hat der amerikanische Star-Tätowierer Mario Barth mit Wurzeln in Österreich im Jahr 2018 innerhalb von 8 Stunden 333 Tattoos mit seinem Team stechen können und hat es so ins Rekordbuch geschafft. 2016 gab es einen Rekord im Dauerpiercen. Peter Stedry vom Tattoo- und Piercingstudio Lakimii schaffte es, in 24 Stunden 103 Kunden mit insgesamt 146 frische gestochenen Piercings zu beglücken. Damit holte er den Titel nach Pforzheim.

Verrückte Rekorde

Die Liste der faszinierenden, spannende und überaus verrückten Weltrekordhalter lässt sich noch lange fortführen. Es gibt einfach nichts, was es nicht gibt. Ein Mann hat seinen kompletten Körper (100%) in mehreren Schichten schwarz tätowieren lassen. Die Frau mit den meisten Tattoos bedeckt 95 % ihres Körpers mit Farbe. Der meisttätowierte Rentner, die meisten Tätowierungen zur gleichen Zeit, die meisten Puzzleteile auf dem Körper sind alles Titel, die im Guinness-Buch der Rekorde zu finden sind. Maria Jose Cristerna, bekannt als die Vampirfrau, ist nicht nur eine liebevolle Mutter von vier Kindern. Die ehemalige Anwältin arbeitet heute als Tattookünstlerin und ist die Titelträgerin für die Frau mit den meisten Bodymodifications.

Extreme Piercings hautnah

Wenn dich diese ganze Thematik interessiert, solltest du bei nächster Gelegenheit mal eine Tattoo- und Piercing-Convention besuchen. Dort findest du sowohl nationale als auch internationale Künstler und Menschen, für die Tattoos und Piercings zur Lebensaufgabe geworden sind. An unterschiedlichen Ständen kannst du dir anschauen, wer schon Prominente verschönt hat oder welche Projekte die Künstler noch planen. Vielleicht nimmst du dir gleich das eine oder andere Andenken mit.

Auf den Conventions gibt es fast immer auch beeindruckende Shows, in denen Piercings, Bodymodifications und Tattoos besonders zur Schau gestellt werden (auch Erotik-Messen auch gerne kombiniert mit Bondage-Vorführungen). Da lassen sich Modelle mit Fleischerhaken durch die Haut stechen, um dann an Ketten oder Seilen ein paar Meter über dem Boden zu schweben. Oder Piercingkünstler stechen einem Modell 10 (oder mehr) Rinde in den Rücken, um diese dann mit hübschen Seidenbändern wie bei einer Korsage zu verschnüren. All das ist eine Art von Kunst, die das Extreme liebt.

Vielleicht reicht es dir, deine Ohrmuschel mit einem glitzernden Stecker zu schmücken. Vielleicht trägst du ein Intimpiercing, um dein Liebesleben mit deinem Partner oder deiner Partnerin zu versüßen. Vielleicht steckt in dir aber auch der Wunsch nach mehr und du würdest deinem Körper gerne weit mehr Schmuckstücke oder andere Modifikationen gönnen. Magnetische Fingerspitzen, mit denen Du das Licht oder andere Geräte ein- und ausschalten kannst? Ein Implantat in Herz- oder Sternform auf dem Brustbein? Schwarz tätowierte Eyeballs oder Hornimplantate, die die dir einen diabolischen Look verliehen? All dies ist durchaus möglich – wenn auch nicht für jeden geeignet.

Unabhängig davon, ob du es lieber dezent bevorzugst oder auf dem Weg in die Welt der Extreme bist – es ist einfach Philosophie, die gleichermaßen fasziniert wie beeindruckt. Lasse dich darauf ein, teste dich aus und warte ab, wohin es dich zieht. Das Schöne an Piercings ist ja (im Gegensatz zu Tattoos), dass du sie jederzeit wieder entfernen kannst.

Du bist auf Rekordjagd?

Wenn auch du mit ungewöhnlich vielen Piercings aufwarten kannst, solltest du dich um einen Titel bewerben. Vielleicht hast du die meisten Piercings am Ohr, in den Schamlippen oder an einer anderen Stelle. Oder hast du die meisten dermal Anchors, die in ihrer Anordnung ein Kunstwerk ergeben. Dann kannst du dich bewerben. Alle Informationen rund um einen Weltrekordtitel und einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde findest du hier: https://www.guinnessworldrecords.de/records/faqs
Wir wünschen dir viel Erfolg!

Piercings aller Art – kleine Materialkunde für deinen Körperschmuck

Piercings gibt es aus den unterschiedlichsten Materialien. So ist die Auswahl an Schmuck, mit dem du deinen Körper verzieren kannst, schier unendlich. Für welches Material du dich letztendlich entscheidest, bleibt vollkommen dir überlassen und hängt im Wesentlichen von deinem persönlichen Geschmack ab. Doch auch gesundheitliche Aspekte, z. B. Allergien, können die Wahl auf bestimmte Materialien eingrenzen. Im Folgenden bekommst du eine Auswahl der wichtigsten Piercingmaterialien an die Hand, die dir bei der Entscheidungsfindung helfen kann.

Zu den geläufigsten Materialien für Piercings gehören:

Stahl, auch Chirurgenstahl (316L)

Viele Piercings bestanden ursprünglich aus rostfreiem Chromnickelstahl. Dieser Stahl war bei Menschen ohne Neigungen zu Allergien grundsätzlich gut verträglich. Da durch den Nickelanteil aber eben auch Allergien ausgelöst werden konnten, erließ die EU im Jahr 1994 ein Verbot für diesen Werkstoff im Schmuckbereich. Piercings mit einem hohen Nickelanteil durften nicht mehr eingesetzt werden. Die Lösung: 316L. Bei dieser Variante enthält der Stahl zwar immer noch bis zu 14 % Nickel, löst aber so gut wie keine Allergien mehr aus. Woran liegt das? Beim 316L wird der Nickelanteil so im Stahl eingeschlossen, dass er nicht mehr freigesetzt werden kann und somit den neuen EU-Vorgaben entspricht. Allergien sind nahezu ausgeschlossen. Dieser Stahl, auch Chirurgenstahl genannt, wird von fast allen Menschen so gut vertragen, dass er auch in der Medizin eingesetzt wird. Piercings aus Chirurgenstahl werden auch häufig als Erstschmuck eingesetzt, besonders an den Stellen, an denen kein Piercing aus Kunststoff gesetzt werden kann oder soll. Der Stahl eignet sich sowohl zum Mattieren als auch zum Hochglanzpolieren. Lange Zeit war Chirurgenstahl 316L das geläufigste Material für Piercings – bis er vom Titan abgelöst wurde.

Titan und Titanlegierungen

Bei Piercingschmuck aus Titan kann es sich entweder um reines Titan handeln oder aber auch um eine Titanlegierung. Die exakte Bezeichnung für die Legierung lautet: Ti6AL4V ELI. Diese Bezeichnung hast du sicherlich noch an keinem Schmuckstück gesehen. Bei der Bezeichnung Titan kann es sich somit um beide Varianten handeln. Dein Piercer wird dir die Frage, ob es sich beim gewünschten Schmuck um reines Titan oder eine Legierung handelt, problemlos beantworten können. Bitte beachte, dass bei Titanlegierungen auch kleine Anteile an Aluminium und Vanadium verarbeitet sind. Diese können in seltenen Fällen Allergien auslösen.

Reines Titan ist sehr leicht, lässt sich unkompliziert verarbeiten und wird vom Körper gut vertragen, sogar so gut, dass die meisten Implantate im Bereich der Bodymodification aus Titan bestehen. Besondere Eigenschaft: Titan lässt sich durch eine Hitzebehandlung verfärben. So gibt es Piercings in den unterschiedlichsten Farben, die wunderschön glänzen – sogar in regenbogenfarben. Wenn du es wünschst, kannst du mit Titan-Piercingschmuck also raffinierte bunte Hingucker an deinen Körper zaubern. Titan ist heute das am häufigsten verwendete Material bei Piercings.

Silber

Silber gilt schon seit Jahrhunderten als edles Metall. Neben Gold ist es das geläufigste Metall im Schmuckbereich. Grundsätzlich spricht nichts gegen Piercings aus Silber, allerdings neigt dieses Material dazu, sich schwarz zu verfärben. Besonders bei frisch gestochenen Piercings solltest du besser zu einem anderen Material greifen, da das Silber auf Körperflüssigkeiten reagiert und oxidiert. Die Folge sind Verfärbungen der Haut. Für Menschen mit einer Nickelallergie ist Piercingschmuck aus Silber ebenfalls nicht geeignet. Hast du jedoch keine Allergien, und ist dein Piercing komplett ausgeheilt, spricht nichts gegen Schmuck aus Silber.

Gold

Gold ist ein besonders schönes, edles und kostbares Metall. Während in alten Kulturen bereits Piercings aus Gold eine lange Tradition haben, sind sie als moderner und trendiger Schmuck noch relativ jung. Gold steht in verschiedenen Varianten zur Verfügung, somit ist der noble Piercingschmuck auch für jeden Geldbeutel verfügbar.

Es wird zwischen folgenden Goldvarianten unterschieden:

333er Gold entspricht 8 Karat
585er Gold entspricht 14 Karat
750er Gold entspricht 18 Karat

Gold löst grundsätzlich keine Allergien aus. Da reines Gold jedoch so weich ist, dass es sich kaum zur Schmuckverarbeitung eignet, gibt es immer Beimischungen, wie z. B. Kupfer, Silber, Nickel oder Zink. Diese Metalle wiederum können durchaus Allergien auslösen. Am besten besprichst du das in Ruhe mit dem Piercer deines Vertrauens. Goldpiercings haben einen ganz eigenen und luxuriösen Charme. Falls du sowieso bevorzugt Schmuck aus Gold trägst, kannst du deine Piercings nun ebenfalls aus diesem Material wählen. Ketten und Armbänder sind dann mit deinem Körperschmuck perfekt aufeinander abgestimmt.

PTFE

PTFE (Abkürzung für Polytetrafluorethylen) ist ein Material, das sowohl in der Medizin als auch in der heimischen Küche zu finden ist. Beim PTFE handelt es sich um Teflon. Dieser Kunststoff ist besonders gut verträglich und löst keine Allergien aus. Daher wird er bei Piercings häufig als Erstschmuck eingesetzt. Das Material ist flexibel, beeinträchtigt nicht die Wundheilung und ist zudem hitzebeständig. Schmuck aus PTFE kann (unter bestimmten Voraussetzungen) auch bei medizinischen Eingriffen im Körper verbleiben. Beim CT oder MRT stört dieses Material nicht und auch auf Röntgenbildern ist PTFE völlig unproblematisch. Natürlich kann es medizinisch notwendige Eingriffe geben, die es erfordern, dass du ausnahmslos alle Piercings entfernst. Ansonsten eignet sich dieser Schmuck auch hervorragend als Platzhalter für deine metallischen Schmuckstücke. Sprich dies auf jeden Fall mit deinem behandelnden Arzt ab.

Glas

Glas ist ein schöner, jedoch relativ selten verwendeter Stoff für Piercings. Glas bricht das Licht und sorgt somit für ein attraktives Funkeln. Achte beim Kauf von Glaspiercings darauf, dass du nur hochwertige Glaskugeln aussuchst, die in einem Metallbett liegen oder ummantelt sind. So stellst du sicher, dass sie nicht splittern und dich nicht verletzen.

Plexiglas oder Acryl

Piercingschmuck auf Plexiglas oder Acryl ist weit verbreitet und eignet sich auch sehr gut für Plugs. Dennoch solltest du bei diesen Piercings einiges beachten. Obwohl sich die Oberfläche sehr angenehm glatt anfühlt, ist die Struktur anders als beim PTFE. Da sich in winzigen Poren Schmutz, Körperflüssigkeiten und andere Absonderungen sammeln können, sollten Piercings aus Plexiglas oder Acryl regelmäßig gereinigt werden. So vermeidest du Infektionen oder andere Hautirritationen. Als Erstschmuck eignen sich diese Materialen daher nicht.

Holz

Holz ist ein natürliches Material, das sich nur bedingt als Piercingschmuck infrage kommt – aber es gibt ihn! Grundsätzlich ist Holz eher als Plug zu finden, da es besonders leicht ist und immer eine gewisse Wärme ausstrahlt. Holz ist allerdings auch sehr porös. Hautabsonderungen und Körperflüssigkeiten ziehen direkt ins Material ein und können Entzündungen und Irritationen auslösen. Wenn du Piercingschmuck aus Holz tragen möchtest, solltest du dich für ein hochwertiges Hartholz entscheiden, und sowohl deinen Stichkanal als auch dein Schmuckstück regelmäßig reinigen. Um zu verhindern, dass das Holz seinen Glanz verliert, austrocknet oder spröde wird, kannst du deinen Schmuck mit Pflanzenöl behandeln.

Die Qual der Wahl

Dies ist eine Auswahl der geläufigsten Materialien für Piercingschmuck. Darüber hinaus gibt es auch Schmuckstücke aus Horn, Niob, Bernstein, Bronze, unterschiedlichste Metalllegierungen und einige andere exotische Materialien. Du hast somit die freie Wahl. Achte bei deinem Schmuck unbedingt darauf, ob er sich als Erstschmuck eignet oder ob du mit dem Einsatz besser warten solltest, bis dein Stichkanal komplett ausgeheilt ist. Zudem ist es wichtig, eventuelle Allergien zu berücksichtigen. Wenn du dir unsicher sein solltest, ob du auf bestimmte Metalle oder Stoffe allergisch reagieren könntest, kann ein Allergietest beim Haus- oder Facharzt Aufschluss geben. Auch eignet sich nicht jedes Material für jede Körperstelle. Natürlich wird dich dein Piercer diesbezüglich gerne beraten und dir Schmuckstücke aus bestimmten Materialien empfehlen. So kannst du deinen Schmuck jederzeit austauschen und deinem Style oder einfach deiner Laune entsprechend anpassen. Glänzend, matt, bunt, natürlich, dezent, auffällig – die Welt der Piercings steht dir offen.

Piercings – von kultureller Tradition zum Kultobjekt

Piercings sind keine Erfindung der Neuzeit, sie haben eine weit längere Tradition, als du vielleicht denkst. Seit den 1990er-Jahren sind Piercings aus der Gesellschaft nicht mehr wegzudenken. Vorher hatten höchsten Punks und Mitglieder der Independant-Szene Schmuck an ungewöhnlichen Stellen des Körpers – damals hatte das noch einen rebellischen Touch. Obwohl der hübsche Körperschmuck immer noch mit einigen Vorurteilen zu kämpfen hat, so ist er doch im Laufe der Zeit immer „salonfähiger“ geworden.

Ringe in den Nasen, Bananenstecker an den Augenbrauen oder auch eine schimmernde Kugel, die beim Lachen auf der Zunge sichtbar wird, sind heute keine Seltenheit mehr und ziehen sich durch nahezu alle Gesellschafts- und Altersschichten. Hast du dir schon einmal Gedanken darüber gemacht, wie es überhaupt zu diesem Trend gekommen ist? Menschen mit Piercings gehören heute zum allgemeinen Stadtbild und sind für die Träger ein Symbol für einen uneingeschränkten Freigeist und einen individuellen Lebensstil. Natürlich ist er auch einfach ein attraktiver Schmuck, der die unverwechselbare Persönlichkeit unterstreicht. Trägst du deine Piercings für jeden offen sichtbar, so sind sie deine Markenzeichen, trägst du sie hingegen verdeckt, so sind sie dein kleines Geheimnis – beides ist gleichermaßen spannend wie verführerisch. Mittlerweile sind mehr als 5 Millionen Menschen in Deutschland gepierct, und die Zahlen steigen jedes Jahr weiter an. Piercings sind also wie auch Tattoos kein kurzer Trend, der wie ein One-Hit-Wonder wieder abebbt, sondern eine Entwicklung, die ihren Höhepunkt noch lange nicht erreicht hat.

Ein Blick hinter die Kulissen

Es lohnt sich, mal einen Blick in die Geschichte der Piercings zu werfen, denn den Körper mit Schmuck zu verzieren, hatte bereits eine sehr lange Tradition, lange bevor er zum Kultobjekt avancierte.

Piercings waren bereits vor vielen Jahrhunderten auf einigen Kontinenten verbreitet, doch hatten sie damals einen ganz anderen gesellschaftlichen und kulturellen Stellenwert. Es gibt Hinweise, dass der Körperschmuck bereits vor Christi Geburt auf den Kontinenten Amerika, Afrika und Asien weit verbreitet waren. Es wurden Mumien gefunden, die mit traditionellem Schmuck beerdigt wurden oder denen man Schmuckstücke, die den heutigen Piercings entsprechen würden, ins Grab beigelegt hat. Ein Beispiel: Für die Pharaonen in Ägypten waren Piercings (hauptsächlich an den Ohren) ein üblicher Schmuck, der den gesellschaftlichen Status widerspiegelte.

Doch vermutlich reicht die Geschichte des kulturellen Schmucks noch deutlich weiter in die Vergangenheit. Bei den Urvölkern Asiens, Amerikas und Afrikas waren geschmückte Ohren, Lippen oder auch Genitalien ein Symbol der Zugehörigkeit. Bei rituellen Zeremonien wurde ein Junge mithilfe verschiedener Schmuckstücke zum Mann erklärt. Die traditionellen Schmuckstücke bestanden aus natürlichen Werkstoffen wie Holz, Knochen, Ton oder verfügbaren Metallen. In Asien werden sogar Buddha-Figuren mit großen Ohrringen gezeigt. Piercings haben also durchaus auch einen religiösen Bezug.

Traditionelle Piercings in der Neuzeit

Auch heute noch gibt es viele Völker und Stämme, die mit klassischem Körperschmuck ihre Zusammengehörigkeit unterstreichen. Natürlich dienen auch in diesen Ländern Piercings als Schönheitsmerkmal. Sicherlich hast du schon einmal Bilder oder Dokumentationen gesehen, die afrikanische und amerikanische Frauen mit Tellern in den Lippen zeigen, oder Männer, die sich dicke Knochen durch das Septum oder die Wangen gestochen haben. All dies sind Piercings, die zu denen, die wir heute in unserer Gesellschaft kennen, geführt haben. Du hast dich schon mal gefragt, wie die Frauen so große Teller in die Lippen einsetzen können? Das funktioniert nicht anders als bei den uns bekannten und beliebten Flesh Tunnels. Auch wenn es vollkommen anders und für einige vielleicht sogar befremdlich ausschaut, so ist das Prinzip exakt das gleiche – mit dem Unterschied, dass bei den kulturellen Völkern die Größe des Tellers auch Auskunft über die Position und das Ansehen im Stamm aufzeigt.

Im Hinduismus, der drittgrößten Religion nach dem Christentum und dem Islam, ist es Tradition, Kindern im Alter von drei bis vier Jahren Ohrlöcher im Rahmen einer feierlichen Zeremonie zu stechen – sowohl bei Jungen als auch bei Mädchen. Die goldenen Ohrringe sollen die Kleinen ein Leben lang vor Krankheiten und Unheil beschützen. In Indien sind zudem Nasenstecker und Ringe so normal wie bei uns Ohrlöcher.

Spirituelle Piercing-Rituale

In Ländern wie Malaysia oder Thailand hat das Stechen von Piercings auch spirituelle Hintergründe. Die Rituale dienen weniger der Verschönerung des Körpers als viel mehr der Besänftigung bösartiger Geister und Dämonen. Es werden Götter beschworen, um die Familie bzw. das Dorf von Krankheiten, Katastrophen und anderen Heimsuchungen zu bewahren. Sich die Haut mit allen möglichen Gegenständen und Materialien zu durchstechen, ist eine ehrbare Aufgabe, um für Schutz für sich und die Familie zu bitten. Zu diesen Ritualen versetzen sich die Teilnehmer in einen tranceartigen Ekstasezustand und tanzen wild auf den Straßen. Sie werden von den Bewohnern des Dorfes wie Helden gefeiert. Solche Zeremonien haben für die Menschen dieser Regionen eine besonders tiefe und emotionale Bedeutung.

Ähnliche verhält es sich auch mit den Ritualen der „Native Americans“, den Ureinwohnern Amerikas. Hier durchstechen sich hauptsächlich (aber nicht ausschließlich) die Männer während ritueller Tänze die Haut, um die Götter milde zu stimmen. Oftmals sind auch hier Wünsche an die Götter mit diesen Zeremonien verbunden, z. B. die Bitte für eine gute Ernte oder einen reichen Kindersegen. Diese außergewöhnlichen und bewegenden Feierlichkeiten können sich über Tage hinweg erstecken und sind eine Ehre für jeden Teilnehmer.

Piercings in der Moderne

Heutzutage sind Piercings tagtäglich auf den Straßen zu sehen. Jeder, der sich einen solchen Körperschmuck wünscht, kann zum nächsten Piercer gehen und sich verzieren lassen. Doch auch heute noch gibt es Bevölkerungsgruppen in unseren Breitengeraden, für die ein Piercing eine besondere Bedeutung hat. Ein gutes Beispiel sind Zimmermänner, die auf die Walz gehen. Sie durchstechen sich mit einem Nagel das Ohr und tragen ihren Ohrring als Symbol für ihren Berufsstand.

Lange Zeit war ein Ring am rechten Ohr bei einem Mann auch ein untrügliches Zeichen für seine Homosexualität – diese Zeiten sind jedoch lange vorbei! Wir leben in einem Zeitalter, in dem jeder für seine Rechte eintritt, um nicht in Schubladen geschoben zu werden oder altbackenen Klischees zu entsprechen. So steht es heute jedem frei, sich sooft und an so vielen Stellen wie gewünscht piercen zu lassen, ohne damit automatisch eine bestimmte Botschaft zu senden. Piercings sind eine moderne Kunstform, den eigenen Körper zu individualisieren – ihn zu modifizieren. Deine Piercings haben ausschließlich die Bedeutung, die du ihnen selbst verleihst. Findest du deinen Schmuck einfach schön? Haben die Piercings einen erotischen Reiz für dich? Sind sie vielleicht sogar ein Fetisch? Trägst du mit deinem Partner oder deiner Partnerin ein Paar-Piercing? Erlaubt ist, was gefällt!

Fazit: Wie du siehst, hat das Piercing, das du gerade trägst, eine lange Geschichte zu erzählen. Auch wenn es heute kaum noch darum geht, dem Schmuck eine bestimmte Bedeutung zuzuschreiben, so ist es doch interessant zu wissen, wie es zu diesem Trend gekommen ist.

Dermal Anchor – Piercings auf den Punkt gebracht

Der Dermal Anchor (auch Microdermal genannt) zählt zur Gruppe der Single-Point-Piercings. Dieses spezielle Piercing hat einen ganz besonderen Stellenwert, da der Schmuck nur an einem Punkt in der Haut verankert wird. Es gibt keinen typischen Stichkanal, und das Piercings wird auch nicht an zwei Stellen, wie z. B. mit einem Ring, einem Bananenstecker oder einem Barbell fixiert. Beim Dermal Anchor gibt es keine Ein- und Austrittsstelle, sondern lediglich eine einzelne kleine Wundöffnung, die dem Schmuck als Tasche dient.

Surface Piercings, zu denen auch der Dermal Anchor gehört, beschreiben Piercings, die oberflächlich in die Haut gesetzt werden. Wie lange der Dermal Anchor in der Haut verbleibt, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Manche verlieren den Schmuck bereits nach einigen Tagen, andere können ihn über einen langen Zeitraum tragen, ohne dass er herausfällt. Im Gegensatz zu „normalen“ Piercings kann der Dermal Anchor nahezu überall am Körper gesetzt werden, selbst an den Stellen, an denen klassische Piercings sonst nicht gestochen werden können.

Ein spannender Blickfang

Ein Dermal Anchor zu setzen, ist ein sehr kleiner Eingriff, den die Haut in den meisten Fällen selbst schnell und unkompliziert ausheilen lässt. Die kleine Wunde bedarf zwar deiner Aufmerksamkeit und einer guten Pflege, ansonsten ist bei dieser Art von Piercings nichts anderes zu beachten als bei anderen Piercings mit Stichkanal.

Dermal Anchors werden einzeln gesetzt, so kannst du mit ihnen einen bestimmten Bereich deines Körpers besonders betonen oder einen echten Eyecatcher setzen. Der Schmuck lässt sich auch wunderbar in Mustern, Linien, Wellen und Formen anordnen. So kannst du ganz Kunstwerke auf und in deine Haut zaubern. Grenzen werden hier nur durch deine Fantasie gesetzt.

Der Aufbau eines Dermal Anchors

Der Dermal Anchor besteht aus einer kleinen Titanplatte, die unter die Haut in eine kleine Gewebetasche gesetzt wird. Auf diesem Plättchen steckt ein kleiner Stab mit einem Innengewinde. Dieser Stab ist die Verbindung zwischen Platte und Schmuckstein. Der Schmuckstein selbst bildet dann den Teil, der auf deiner Haut zu sehen ist. Er wird in dem kleinen Stab fest verschraubt und lässt sich austauschen.

Wie wird ein Dermal Anchor gesetzt?

Um den Dermal Anchor in der Haut zu fixieren, wird mithilfe eines Biopsy-Punch ein kleiner Stich bzw. ein Minischnitt in die Haut gemacht. Einige Piercer verwenden auch Skalpelle, um die Haut mit viel Feingefühl zu eröffnen. So bildet sich eine kleine Wunde, die als Tasche für die Titanplatte deines Dermal Anchors dient.

Wichtig! Nach dem Einsetzen muss das Schmuckstück für ca. eine Woche mit einem Wundpflaster fixiert werden. Nur so hat dein Hautgewebe die Chance, zu heilen, sich um die Platte und den Stift zu legen und wie gewünscht zu verwachsen. Auf diese Weise kann sich das Piercings im Gewebe richtig festsetzen. Anderenfalls ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass du den Schmuck sofort wieder verlierst oder er sich bei der kleinsten Berührung (z. B. auch durch Kleidung) löst und herausfällt. Außerdem verhinderst du mit dem Pflaster, dass Keime oder Schmutz in die Wunde gelangen. Nach dieser Woche kannst du es dann entfernen, bis dahin sollte die Wunde gut verschlossen sein. Dennoch ist in den nächsten Wochen noch äußerste Vorsicht geboten.

Darauf solltest du beim frisch gesetzten Dermal Anchor achten

Wie bei jedem anderen Piercing auch, ist die richtige Pflege entscheidend für den Heilungsverlauf. Am besten verzichtest du während des Heilungsprozesses für mindestens zwei Wochen auf Sport, Sonnenbaden, Sauna, Solarium und Schwimmen. Wichtig ist, dass du deine kleine Wunde immer sauber hältst – genau wie bei jedem anderen Piercing. Achte darauf, dass deine Kleidung weit genug ist, damit dein Dermal Anchor weder durch Reibung noch durch Fusseln gereizt oder sogar gelöst wird. Es versteht sich fast von selbst, dass du im Bereich deines Dermal Anchors auf Make-up, Parfums oder andere Duftstoffe und Cremes verzichten solltest. Stattdessen empfiehlt es sich, dein Dermal Anchor 2- bis 3-mal täglich mit einem Desinfektionsspray zu reinigen. Dabei solltest du auf eine besonders penible Hygiene achten. Säubere Dein Dermal Anchor nur mit gewaschenen Händen und verwende Wattestäbchen zur Reinigung der kleinen Wunde.Bildet sich ein kleiner Schorfkrümel, kannst du diesen mit warmem Wasser aufweichen und mit dem Wattestäbchen vorsichtig ablösen. Wichtig ist, die Stelle nicht zu verschmutzen oder unnötig zu reizen.

Sollten Rötungen, Entzündungen oder andere Hautirritationen wie Juckreiz oder Nässen auftreten, kannst du eine entzündungshemmende und beruhigende Salbe verwenden (z. B. Tyrosur). Nicht vergessen, bei jeder Pflege auch das Wundpflaster zu wechseln. Warte mit dem Austausch des Schmucksteins bzw. des Aufsatzes, bis die Wunde vollständig ausgeheilt ist. Der gesamte Heilungsprozess dauert im Normalfall zwischen 4 Wochen und 3 Monaten. Bei einem ungesunden Lebenswandel, gesundheitlichen Problemen oder negativen äußeren Einflüssen kann die Haut auch mehr Zeit benötigen, um sich zu regenerieren und zu heilen – ebenso wie bei jedem anderen Piercing.

Bei ernsthaften Komplikationen, Schmerzen, die über die normale Wundheilung hinausgehen, der Bildung von Eiter- oder Wundblasen solltest du deinen Piercer kontaktieren. Er kann am besten beurteilen, welche Behandlungsmethode die richtige wäre.

Beliebte Stellen für Dermal Anchors

Da Dermal Anchors nahezu am ganzen Körper setzen lassen, gibt es kaum eine Stelle, die sich für diesen extravaganten und auffälligen Schmuck nicht eignet. Besonders beliebt sind Dermal Anchors im Bereich der Schlüsselblätter, des Dekolletés, des Rückens entlang der Wirbelsäule, des Nackens oder auch im Kopf- und Gesichtsbereich. Hier werden die Schmucksteine vorzugsweise hinter den Ohren, unter oder zwischen den Augenbrauen oder auch wie eine kleine funkelnde Träne unter dem Auge gesetzt. Natürlich lassen sich Dermal Anchors auch an Beinen, Armen und Fingern oder am Bauch (über- oder unterhalb des Bauchnabels), im Bereich der Leisten und im Schambereich platzieren.

Als besonders praktisch haben sich Dermal Anchors rund um den Mund erwiesen, denn so können beispielsweise Labret, Medusa, Monroe, Dahlia, Spider-, Angel- oder Snake Bite-Piercings wunderbar imitiert werden ohne komplette Stichkanäle stechen zu müssen. Der Schmuck sitzt einfach kurz unter der Hautoberfläche und verhilft dir zu einem besonders bezaubernden und faszinierenden Lächeln.

Der richtige Piercer für Dermal Anchors

Die meisten Piercer, die klassische Piercings stechen, setzen auch Dermal Anchors. Wenn du dich für solch einen Schmuck entschieden hast, solltest du zunächst ein ausführliches Gespräch mit deinem Piercer führen. Er wird dich fachkundig aufklären und beraten. Mit ihm kannst du besprechen, worauf du achten solltest und welche Stellen sich für dich eignen. Teile ihm auch mit, welchen Beruf du ausübst, so kann er ermessen, ob das gewünschte Piercing auch gute Chancen hat auf Dauer sicher zu sitzen. Ein Beispiel: In einem Büro mit reiner Computertätigkeit wirst du kaum Probleme mit Dermal Anchors am Arm oder den Fingern bekommen. Arbeitest du hingegen als Friseurin oder in einem Handwerksbetrieb ist von solchen Dermal Anchors dringend abzuraten.

Risiken bei Dermal Anchors

Leider kann es bei Dermal Anchors passieren, dass der Schmuck im Laufe der Zeit von selbst herauswächst. In diesem Fall solltest du nicht enttäuscht sein. Du kannst es dir entweder erneut setzen lassen oder du entscheidest dich einfach für eine andere Stelle. Wenn ein Schmuckstück herauswächst, bedeutet das nicht zwingend, dass es immer so sein wird. Ansonsten gibt es bei diesem Mini-Implantat keine anderen Risiken als bei normalen Piercings auch.

Dermal Anchors entfernen

Obwohl ein Dermal Anchor relativ fest in der Haut verankert wird – vorausgesetzt, es ist vollständig ausgeheilt -, lässt es sich schnell und ohne größeren Aufwand auch wieder aus der Haut entfernen. Am besten lässt du den Schmuck einfach von deinem Piercer deines Vertrauens herauslösen. Da die Stelle ja sehr klein ist, wächst die Stelle meistens ohne sichtbare Narben wieder zu.

Flesh Tunnel – die sanfte Methode, die Ohrlöcher zu dehnen

Flesh Tunnel liegen voll im Trend und werden immer beliebter. Ohrlöcher auf eine unnatürliche Größe zu dehnen, solltest du dir jedoch gut überlegen, da sich dieser Eingriff kaum, bzw. nur durch einen operativen Eingriff rückgängig machen lässt.

Außergewöhnlicher Schmuck mit langer Tradition

Gedehnte Ohrlöcher sind kein Symbol der Neuzeit, sie haben eine sehr lange Tradition. Selbst „Ötzi“, der 5.000 Jahre alte Mann, der in einem südtiroler Gletscher gefunden wurde, wies gedehnte Ohrlöcher auf. Auch viele Buddha-Darstellungen werden mit geweiteten Ohrlöchern dargestellt. In Afrika sind gedehnte Ohrlöcher, die mit Pflöcken oder Scheiben geschmückt werden, und andere Körpermodifikationen bei vielen Stämmen ein Symbol der Hierarchie und des gesellschaftlichen Status innerhalb des Stammes. Hier werden häufig nicht nur die Ohrlöcher gedehnt, sondern auch die Lippen, um Schmuck in Form eines Tellers zu tragen. Gedehnte Ohrlöcher waren und sind auf der ganzen Welt verbreitet und haben historisch betrachtet immer einen tieferen Hintergrund. In unserer modernen Zeit wurde dieser klassische Schmuck adaptiert und zu einem trendigen Schmuckstück ohne tieferen ethnischen Hintergrund.

Ohrlöcher dehnen, aber bitte mit Gefühl

Basis für einen Flesh Tunnel ist ein ganz normales, komplett verheiltes Ohrloch (Lobe). Das das Gewebe im Ohrläppchen sehr weich und flexibel ist, lässt es sich mit Geduld gut dehnen. Es gibt verschiedene Hilfsmittel, um das Ohrloch auf die gewünschte Größe zu erweitern – doch es braucht Zeit, da das Ohrläppchen nur Stück für Stück vergrößert werden kann. Dehnungsstäbe, -sicheln oder -spiralen werden in das Ohrloch gesteckt und nach und nach weitergeschoben. Am besten lässt du dich vom Piercer deines Vertrauens beraten, denn er kann dir alle wichtigen Faktoren darlegen und dir aufzeigen, welcher Dehnungsschmuck dir zur Verfügung steht.

Stück für Stück zum gewünschten Flesh Tunnel

Wichtig ist, dass du diesen Vorgang sanft und gefühlvoll durchführst, denn das Gewebe soll schließlich nicht verletzt werden. Zu Beginn kannst du deine Ohrlöcher ca. 0,2 – 0,3 mm pro Monat dehnen. Ab einer Ohrlochweite von ca. 3 mm kannst du deine Ohrlöcher um jeweils einen Millimeter im Laufe von 2 Monaten dehnen, ab einer Weite von ca. 6 mm um zwei Millimeter in zwei Monaten. Flesh Tunnel mit einem Durchmesser von mehreren Zentimetern brauchen meist Jahre, um sich so weit dehnen zu lassen. Deine Ohrlöcher zu dehnen, ist ein Eingriff, der die Haut an Deinen Ohrläppchen sehr strapaziert, daher solltest du sehr behutsam sein und erst weiterdehnen, wenn die Haut nicht mehr spannt. Damit der Dehner leichter im Ohrloch weitergeschoben werden kann, empfiehlt es sich, ihn mit etwas Gleitgel zu bestreichen.

Alternativen: PTFE-Bänder, Skalpell, Dermal Punch

Es gibt mehrere Möglichkeiten, die gewünschte Weite eines Flesh Tunnels zu erzielen. Beim PTFE-Band handelt es sich um ein hautverträgliches Gewebe, das um den Stift eines Piercings gewickelt wird. So wird die Dicke des Stiftes vergrößert, dieser wiederum dehnt dann nach und nach das Ohrläppchen. Diese Methode ist zwar auch ziemlich zeitaufwendig, eignet sich aber bestens für diejenigen, die keinen Dehnungsschmuck tragen möchten. Das Ohrloch wird so sehr unauffällig gedehnt.

Wer es besonders eilig hat und sofort einen Flesh Tunnel tragen möchte, kann sich die gewünschten Tunnel von einem erfahrenen Piercer mit einem Skalpell schneiden oder mittels Dermal Punch stanzen lassen. Hierbei wird ein Teil des Ohrläppchens kreisförmig herausgestanzt. Dieser Vorgang klingt schlimmer als er ist, denn erfahrungsgemäß heilen gepunchte Flesh Tunnel bei guter Pflege ziemlich schnell ab.

Flesh Tunnel richtig pflegen

Wie bei allen Piercings und Body Modifications ist die intensive Pflege das A und O. Beim Dehnen mithilfe von Dehnungsschmuck sollte der Stichkanal regelmäßig gereinigt werden. So bleibt die Haut geschmeidig und die Wahrscheinlichkeit für Entzündungen kann minimiert werden. Bei gepunchten oder bereits weit gedehnten Ohrlöchern kann es zu Talgablagerungen und einem unangenehmen Geruch kommen. Daher ist eine ordentliche Hygiene unabdingbar. Nimm dir Zeit für die Reinigung deines Flesh Tunnels und des Schmucks. Setze den Schmuck immer mit Gefühl ein und achte darauf, dass du das Gewebe am Ohrläppchen nicht überstrapazierst.

Risiken bei Flesh Tunnels

Natürlich gibt es wie bei allen anderen Piercings auch beim Flesh Tunnel mögliche Risiken. Je weiter das Ohrläppchen gedehnt wird, desto dünner wird die Haut. Dies macht es Bakterien und Keimen leichter, in die Haut einzudringen. Blutungen, eitrige Absonderungen und schmerzhafte Entzündungen sind nicht auszuschließen. Aus genau diesem Grund solltest du beim Dehnen mit Schmuck darauf achten, wirklich nur in kleinen Schritten und zeitlich großen Abständen zu dehnen. Je mehr Geduld du hier beweist, desto geringer ist das Risiko.

In sehr seltenen Fällen kann es wie bei anderen Piercings auch zur Bildung von Keloiden kommen. Dies sind Wucherungen, die während es Heilungsprozesses entstehen können. Hierbei handelt s sich um übermäßig produziertes Narbengewebe. Keloide lassen sich operativ entfernen. Bei Menschen, die jedoch zu verstärkter Narbenbildung neigen, können Keloide immer wieder entstehen.

Der richtige Flesh Tunnel-Schmuck

Du hast dein Ohrloch bereits auf ein paar Millimeter gedehnt? Dann kannst du dir den ersten Plug oder Tunnel einsetzen. Die Auswahl ist riesengroß, so kannst du den Schmuck deinem ganz persönlichen Geschmack entsprechend auswählen. So vielfältig wie die Designs sind auch die Materialien. Chirurgenstahl, Glas, Titan, Silikon oder auch organische Materialien (z. B. Holz) lassen keine Wünsche offen. Bei einteiligen Plugs oder Tunnels solltest du immer darauf achten, den Schmuck mit viel Gefühl einzusetzen. Damit der Schmuck perfekt sitzt, muss er vorsichtig über den Rand gezogen werden. Je behutsamer du das machst, desto geringer ist das Risiko, dass die Haut überdehnt oder sogar verletzt wird. Achte also gut darauf, dass du immer nur Schmuck auswählst, der der Weite deines Flesh Tunnels entspricht. Einfacher sind natürlich zweiteilige Schmuckstücke, die sich problemlos einsetzen und verschrauben lassen.

Keine Lust mehr auf Flesh Tunnel? Hier hilft nur eine OP

Flesh Tunnel sind Modifikationen, die sich kaum verbergen lassen. Wenn du tatsächlich deine natürlichen Ohrläppchen zurückhaben möchtest, solltest du zunächst mit deinem Piercer reden. Bei noch kleinen Tunnels mit geringem Durchmesser reicht es manchmal aus, einfach den Schmuck zu entfernen. Das Loch zieht sich von selbst wieder zusammen, kann aber trotzdem immer noch etwas größer verbleiben, als ein normales Ohrloch. Bei größeren Tunnels ist eine OP die einzige, effektive Methode. Es gibt mittlerweile einige Piercer, die diese Operation selbst vornehmen dürfen. Alternativ kann natürlich auch ein Arzt (vorzugsweise ein Hautarzt) aufgesucht werden. Die Wiederherstellung der Ohrläppchen ist ein operativer Eingriff, der meistens in Arztpraxen nur bei medizinisch notwendiger Indikation von den Krankenkassen bezahlt wird. In den meisten Fällen wirst du die Kosten selbst tragen müssen.

Wichtig bei der Operation ist es, dem Ohrläppchen einen natürlichen Look zu verleihen. Es ist also nicht damit getan, den Flesh Tunnel einfach „abzuschneiden“. Vielmehr ist es eine filigrane Arbeit, die Innenseiten des Tunnels aufzuschneiden, überschüssige Haut abzutrennen und die Haut dann in einer natürlichen Form wieder zusammen zu nähen. Wenn du dich wirklich dazu entschließt, deine Flesh Tunnel operativ entfernen zu lassen, solltest du dir jemanden suchen, der bereits Erfahrung damit hat. Befrage also am besten mehrere Piercer und Hautärzte, ob sie den Eingriff vornehmen können, und lasse dir Bilder von deren erfolgreich behandelten Ohrläppchen zeigen. So bist du auf der sicheren Seite und brauchst dich nicht zu sorgen, dass du nachher unnatürlich geformte Ohrläppchen hast.

Fazit: Vorher gut überlegen

Nach all diesen Informationen lässt du dir die Idee, dir Flesh Tunnel zu dehnen, sicherlich noch einmal durch den Kopf gehen. Das ist gut, denn nur, wenn du wirklich überzeugt davon bist, wirst du auch über Jahre hinweg Freude an deinem stylischen und auffälligen Schmuck haben.

So findest du den perfekten Piercer

Du hast dich dazu entschlossen, dir ein Piercing stechen zu lassen? Glückwunsch, gute Entscheidung! Jetzt brauchst du nur noch den für dich passenden Piercer zu finden, und alles läuft bestens. Piercer gibt es ja mittlerweile wie Sand am mehr. Da sollte es doch ein Kinderspiel sein, einen zu finden, der mal eben einen Stecker oder einen Ring setzt. Dieser Vorgang dauert schließlich nur ein paar Sekunden. Könnte man so denken, ist aber weit gefehlt! Ein wirklich guter Piercer ist Gold wert und nicht so leicht zu finden, wie man annehmen könnte.

Ein kurzer Blick in die Vergangenheit

Die Zeiten, in denen der beste Kumpel das Ohr mal eben mit einem Eiswürfel gekühlt und eine Nähnadel mit dem Feuerzeug erhitzt hat, um ein Loch ins Ohr zu stechen, sind zum Glück lange vorbei. Viel zu groß ist das Risiko mit solch einer Behandlung eine Entzündung oder sogar eine Blutvergiftung auszulösen. Diese gruselige Vergangenheit ist (hoffentlich) endgültig abgeschlossen. Dennoch gibt es auch heute noch Piercer, die mehr als unprofessionell arbeiten und wenig Wert auf die aktuellen Standards legen. Es gibt leider sehr viele kaum (oder sogar gar nicht) ausgebildete und selbst ernannte Piercer, die zwar in der Lage sind, ein Piercing zu stechen, von Anatomie, Hygiene oder adäquaten Behandlungsmöglichkeiten bei Problemen absolut keine Ahnung haben.

Lass dir Zeit für die Suche des besten Piercers

Bevor du deinen Körper also jemandem anvertraust, solltest du dich gut informieren und das eine oder andere Gespräch mit verschiedenen Piercern oder mit zufriedenen Gepiercten führen. Die Kunst des Piercens hat sich in den letzten Jahren sehr weiterentwickelt und ein guter Piercer hält sich diesbezüglich mit Weiterbildungen auf dem Laufenden. Suche dir einen Piercer, der deine Erwartungen erfüllt, und der dich mit seinem Fachwissen überzeugen kann. Es spielt dabei absolut keine Rolle, ob du ein einfaches Helix-Piercing wünschst oder deinen Intimbereich mit einem attraktiven Schmuckstück verzieren möchtest. Bei jedem einzelnen Piercing ist die volle Aufmerksamkeit des Piercers gefordert. Deine Gesundheit sollte es dir und ihm unbedingt wert sein.

Die Kontaktaufnahme

Vielleicht hast du ja Freunde oder Bekannte, die schicken Körperschmuck tragen, und dir bei der Suche behilflich sein können. Hat jemand besonders gute Erfahrungen gemacht, kannst du diese Empfehlung mit in deine Auswahl aufnehmen. Alternativ kannst du natürlich auch online nach Piercern in deiner Nähe suchen. Rufe einfach alle Piercer an, die für dich infrage kommen und bitte um ein Informationsgespräch. Bereits am Telefon wirst du schnell erkennen, ob die Chemie zwischen euch beiden stimmt. Es kann durchaus sinnvoll sein, einen weiteren Weg in Kauf zu nehmen, um die bestmögliche Behandlung zu bekommen, als sich mal eben in der Mittagspause beim Piercer „um die Ecke“ piercen zu lassen.

Das Informationsgespräch mit dem Piercer

Das Informationsgespräch sollte möglichst nicht am Telefon, sondern direkt im Studio erfolgen. Um dich gut zu beraten, ist es wichtig, sich Zeit zu nehmen, sodass dich der Piercer über alle Risiken aufklären kann und du die Gelegenheit bekommst, Fragen zu stellen. Lass dir genau erklären, welche Techniken er anwendet, und frage ihn, ob er dir auch nach dem Piercen als Ansprechpartner weiterhin zur Verfügung steht. Ist er ein erfahrener Piercer oder betreibt er das Piercen nur nebenbei. Ist er ausgebildet oder bildet er vielleicht sogar andere Piercer aus? Frage nach der Pflege, die notwendig ist, damit das Piercing sauber abheilt, und kläre mit ihm ab, was zu tun ist, wenn es zu Komplikationen kommt. Lass dir den Schmuck zeigen, den er verwendet. Gut möglich, dass er dir bei bestimmten Piercings zunächst einen Stecker empfiehlt, obwohl du dir vielleicht einen Ring oder einen Bananenstecker wünschst. Höre auf seinen Rat, denn Piercings werden mit einer Nadel gerade gestochen. Bei geformtem Schmuck kommt es im Stichkanal zu Spannungen, die unter Umständen schlechter abheilen. Einfacher ist es in einen komplett ausgeheilten geraden Stichkanal ein geformtes Schmuckstück einzusetzen. Dies ist jedoch nicht an allen Stellen möglich, daher solltest du dich mit deinem Piercer genau abstimmen, was du möchtest und was er empfiehlt. Beantwortet dir dein Wunschpiercer alle Fragen ausführlich, fachlich kompetent, verständlich und geduldig, scheinst du in guten Händen zu sein.

Die Hygiene

Nicht nur der persönliche Draht ist bei der Wahl des Piercers von Bedeutung, sondern auch der Zustand seines Studios. Schau dich genau um. Ist das Studio sauber? Sind die Piercingnadeln hygienisch einzeln verpackt? Ist der Erstschmuck abgepackt? Ist das Studio ausreichend ausgeleuchtet, sodass der Piercer deinen Schmuck auch punktgenau setzen kann? Verschaffe dir einfach einen umfassenden Eindruck von den Begebenheiten und lass dabei auch dein Bauchgefühl sprechen. Hygiene steht an oberster Stelle – und das nicht erst seit der Pandemie. Gute Piercer legen größten Wert auf einen klinisch reinen Arbeitsplatz und einen hygienisch einwandfreien Ablauf. Handschuhe sind selbstverständlich und benötigen keine gesonderte Erwähnung.

Das Piercing wird gestochen

Du hast dich für einen Piercer entscheiden und Vertrauen zu ihm aufgebaut? Dann steht deinem neuen Körperschmuck nichts mehr entgegen. Schlafe noch einmal drüber, dann vereinbare einen Termin, und lass dir dein Wunschpiercing setzen. Zum Termin solltest du bereits etwas gegessen haben. Alkohol ist tabu! Dein Piercer wird einiges vorbereiten. Zunächst wird er einen schriftlichen Vertrag mit dir abschließen, um sich rechtlich abzusichern. Schließlich ist das Piercen (rein rechtlich betrachtet) eine Form der Körperverletzung. Du musst bestätigen, dass du damit einverstanden bist. Dann wird er sich alle Instrumente zurechtlegen und dich ein Schmuckstück auswählen lassen. Die genaue Stelle, an der der Schmuck sitzen soll, wird bestimmt und mit einem Stift angezeichnet. Der Vorgang selbst geht dann sehr schnell. Es ist auch durchaus möglich, sich bei einem Termin gleich mehrere Piercings stechen zu lassen. Für jedes Piercing wird eine neue Nadel verwendet. Ist die Nadel erst einmal durchgestochen, hast du es auch schon überstanden. Jetzt wird nur noch der Schmuck eingesetzt und schon ist alles vorbei. Ein guter Piercer wird dir noch klare Anweisungen geben, wie du dein neues Piercing in den nächsten Wochen pflegen solltest. Bei den meisten Piercern kannst du ein Desinfektionsmittel zum Sprühen gleich vor Ort kaufen, ansonsten bekommst du es auch in der nächsten Apotheke.

Der Preis

Sicherlich hast du bei deiner Suche nach einem Piercer auch nach den jeweiligen Preisen gefragt und ziemlich große Unterschiede festgestellt. Hier sei gesagt, dass nicht jeder teure Piercer gut und jeder günstige Piercer schlecht sein muss. Häufig hängt die Preiskalkulation von verschiedenen Faktoren ab. Die Ladenmiete im Zentrum einer Großstadt liegt sehr wahrscheinlich deutlich höher als am Stadtrand oder in einem kleinen Ort. Arbeitet er alleine oder hat er ein Studio, in dem er Angestellte beschäftigt, die er bezahlen muss? Wie hochwertig sind Instrumente und Schmuck, die er verwendet? Pierct er nur nebenbei oder lebt er von seinem Kunsthandwerk? All dies kann den Preis für ein Piercing beeinflussen. Lege bitte größeren Wert auf die Qualität deines Piercers und weniger auf den Preis. Es kann sich lohnen, lieber etwas länger zu sparen, und dafür die bestmögliche Beratung und Behandlung zu bekommen. Schließlich möchtest du deinen Schmuck ja über viele Jahre hinweg voller Stolz tragen, da sollte es auf ein paar Euro mehr oder weniger nicht ankommen. Dein Körper und deine Gesundheit werden es dir danken.

Piercings in der Gesellschaft – akzeptiert oder verpönt?


Die Frage, ob Piercings mittlerweile in der Gesellschaft angekommen ist, lässt sich nicht einfach mit Ja oder Nein beantworten. Die Akzeptanz ist in den letzten Jahren sicherlich deutlich gestiegen, dennoch gibt es immer wieder Situationen, in denen sichtbare Piercings zu einem Problem werden können. Das ist gleichermaßen schade und traurig wie unfair und weit vorbei am Plus der Zeit, denn der edle Körperschmuck sagt absolut nichts über deine Fähigkeiten und Kompetenzen aus. In vielen Köpfen sind jedoch immer noch Vorurteile verankert, die längst überholt sind, dennoch sind sie da. Wie also am besten verhalten

Grundsätzlich liegt die Entscheidung Pro oder Contra Piercings natürlich ganz bei dir. Der Schmuck ist ein Ausdruck deiner Individualität, deines Lebensstils und deines ganz persönlichen Geschmacks. Niemand hat das Recht, dir als erwachsenem Menschen vorzuschreiben, was du zu tun und zu lassen hast. Dennoch möchte man es sich ja nicht unbedingt mit Eltern, Verwandtschaft, Freunden und vor allen Dingen Arbeitgebern verscherzen. Innerhalb der eigenen Familienbande und im Freundeskreis kannst du dich vielleicht noch durchsetzen, ohne gleich enterbt und geächtet zu werden. Im Berufsleben sieht es da leider schon ein bisschen anders aus.

Für den Beruf auf Piercings verzichten?

In vielen Berufen sind Piercings heutzutage zum Glück kein Problem mehr. Ein Hoch auf die moderne Denkweise einiger Arbeitgeber. Doch bei vielen Unternehmen mit direktem Kundenkontakt, in Hotels oder auch bei diversen Fluglinien sind Piercings häufig (noch) ein Ausschlusskriterium. Mit diesem Problem schlagen sich Tätowierte übrigens ebenso herum wie Gepiercte. Warum sollte eine Flugbegleiterin mit Nasenring keinen so guten Service für die Fluggäste bieten können wie eine Kollegin ohne Nasenschmuck? Warum sollte ein Versicherungsvertreter mit Zungen- oder Lippenpiercing nicht genauso viele Abschlüsse mit Professionalität, Fachwissen und Souveränität generieren können wie ein Geschäftspartner ohne Piercings? Diese Frage ist berechtigt und lässt sich nur mit dem unterschiedlichen Erscheinungsbild erklären. Es ist eine Frage der Wahrnehmung und Wirkung – eine typisch „menschliche“ Wertung.

Wahrnehmung und Wirkung von Piercings

Menschen, die anders sind als man selbst, werden gerne beäugt und gemustert. „Warum hast du so viele Ohrringe?“ oder “ Wie kannst du mit dem Piercing in der Zunge vernünftig essen?“ sind noch die harmloseren Fragen, denen sich Gepiercte stellen müssen. Nett ist auch die Frage, ob man damit durch die Kontrolle am Flughafen kommt, ohne dass der Sicherheitsalarm losgeht. Menschen mit Körperschmuck und Kunstwerken auf und in der Haut sind selbstverständlich oft genervt von den Wertungen und Vorurteilen anderer. Doch diese Denkweise lässt sich erklären, denn der Mensch ist ein Herdentier. Jeder, der nicht der Norm entspricht, muss sich erst einmal beweisen. Im Privatleben ist dies sicherlich möglich, im Geschäftsleben ist das jedoch eher die Ausnahme.

„Die Menge macht das Gift“

Wie bei vielen Dingen ist es häufig eine Frage der Menge, die die Grenze zwischen Toleranz und Intoleranz sprengt. Waren lange Zeit nur normale Ohrringe (Lobe) gesellschaftlich akzeptabel, so ist heute ein kleiner Stecker in der Ohrmuschel (Helix) keine große Überraschung mehr. Hast du aber zehn Piercings, die sich kunstvoll an deinem Ohr hochschlängeln, ergänzt mir einem Industrial-, einem Rook- und einem Tragus-Piercing, dann sieht die Welt schon anders aus. Gerade Piercings an den Ohren und im Gesicht werfen bei vielen anderen Menschen Fragen auf, doch anstatt einfach zu fragen, wird vorschnell geurteilt.

Augen auf bei der Berufswahl

Da es in vielen Berufen nach wie vor verboten ist, Piercings zu tragen, solltest du dir gut überlegen, welchen Weg du gehen möchtest. Arbeitest du in einem kreativen Beruf oder verkaufst coole Trendartikel, wirst du keine Schwierigkeiten haben, ganz gleich wie viele Piercings deinen Körper schmücken. Auffällig ist der Wandel in pflegenden Berufen. Es gibt mittlerweile viele Arzthelferinnen und Krankenpfleger, die durchaus ihren Schmuck problemlos tragen können. Gleichzeitig gibt es aber immer noch Arztpraxen, in denen Bewerber mit Piercings sofort ausgesondert werden. Dann gibt es eben auch noch die Berufe, in denen Piercings komplett untersagt sind. Auch wenn die korrekte Form der Gleichbehandlung noch nicht überall angekommen ist, so ist der Wandel in die richtige Richtung spürbar. Das lässt hoffen.

Wichtig ist, dass du dir überlegst, welcher berufliche Werdegang für dich und deine Zukunft perfekt ist. Manchmal kann es sich lohnen, auf ein Piercing zu verzichten oder einfach noch zu warten, um die Karriere zu fördern. Alternativ verlegst du deine Piercings einfach in Bereiche, die deinen Vorgesetzten verborgen bleiben. Bist du von deinen Piercings hingegen so fest überzeugt, dass du auf sie nicht verzichten kannst und willst, dann suche den Kontakt zu Unternehmen, die deinen Körperschmuck akzeptieren und du dennoch deine Fähigkeiten einbringen kannst. Denn es ist beides von großer Bedeutung – deine individuelle Lebenseinstellung und deine beruflichen Ambitionen. Du sollst dich für niemanden verbiegen, aber hier und da kann sich ein kleiner Kompromiss als sehr lohnend erweisen.

Hinter vorgehaltener Hand

Es gibt sehr viele hochgestellte Persönlichkeiten, gut verdienende Vorstandsmitglieder und angesehene Prominente der oberen Gesellschaftsschichten, die sich durchaus mit Piercings schmücken – doch diese siehst du nicht. Nach außen strahlen diese Menschen das pure, kühle und kraftvolle Business aus, doch in den Hosen funkeln kleine Prinz Alberts, Ampallangs und Apadravyas oder auch glitzernde Christinas, Fourchettes und Prinzessin Albertinas. Das ist typisch für unsere Gesellschaft – man will nach außen den Schein wahren, privat aber doch seine wahren Wünsche und Bedürfnisse befriedigen. Das ist auch vollkommen in Ordnung, solange diese Gratwanderung gewollt und nicht erzwungen ist. Vielen bereitet gerade dieses Spiel mit den Klischees sehr viel Spaß.

Piercings in der Zukunft – Hoffnung auf mehr Akzeptanz

Die Welt verändert sich ständig, alles ist in Bewegung und im Wandel. Die Liebhaber des Körperschmucks werden im Laufe der Zeit immer mehr. Für jede nachkommende Generation sind Piercings und auch Tätowierungen immer selbstverständlicher. Die Zahl derer, für die Körperschmuck jeglicher Art zum Alltag gehören, wächst mit jedem Tag. Manchmal dauern Entwicklungen halt etwas länger, um sich durch alle Schichten der Gesellschaft zu etablieren, doch der Weg ist definitiv der richtige. Also sei nicht enttäuscht, falls dich jemand wegen deiner Piercings mustert. Vielen fällt es einfach schwer, sich neuen Erkenntnissen und Modernisierungen anzupassen. Nimm es gelassen, und zeige dich so, wie du bist. Wer dich wirklich kennt, weiß um deine positiven Charaktereigenschaften und um dein einzigartiges Wesen. Du bist ein eigenständiger Mensch, du alleine weißt am besten, was für dich gut und richtig ist. Bleib dir selber treu, dann kannst du dich sowohl in deinem privaten Umfeld als auch im Berufsleben locker behaupten.

Migräne, Stress und Übergewicht – können Piercings helfen?

In erster Linie haben Piercings einen rein schmückenden Charakter und selbst, wenn sie mittlerweile gesellschaftsfähig geworden sind, stehen sie als Symbol für deinen individuellen und rebellischen Lebensstil. Doch seit einigen Jahren wird immer wieder berichtet, dass bestimmte Piercings auch positive Nebeneffekte im Bereich der Gesundheit und des Wohlbefindens mit sich bringen können. Ein Thema, das gleichermaßen spannend wie umstritten ist.

Daith Piercing – die Lösung für Migränegeplagte?

Migränepatienten haben meistens einen langen und beschwerlichen Leidensweg. Wer regelmäßig unter diesen unerträglich hämmernden, stechenden und pochenden Kopfschmerzen leidet, hat meistens ein Dauerticket beim Facharzt und einen ganzen Vorrat an Schmerzmitteln im Schrank. Diese sind meist nur bedingt und zeitlich begrenzt hilfreich und können viele unangenehme Nebenwirkungen haben. Wäre eventuell ein Piercing an einem speziellen Punkt eine Alternative? Diese Frage lässt sich nicht mit einem klaren „Ja“ oder „Nein“ beantworten. Es gibt zahlreiche Berichte aus den letzten Jahren, in denen Betroffene von ganz erstaunlichen Ergebnissen berichten. Seitdem das sogenannte Migränepiercing gesetzt wurde, hätten sich die Schmerzattacken bei vielen deutlich verringert oder die Migränephasen hätten teilweise sogar ganz aufgehört. Wissenschaftliche Studien gibt es diesbezüglich aber nicht, und die meisten Schulmediziner widersprechen den Erfolgen des Migränepiercings.

Die Entdeckung, dass ein Daith Piercing auch gegen Migräne wirksam sein könnte, war purer Zufall. Zahlreiche Migränegeplagte hatten sich einfach ein hübsches Schmuckstück setzen lassen wollen. Schon kurz darauf berichteten viele, dass die Schmerzen deutlich nachgelassen oder sich sogar komplett aufgelöst haben. Ein positiver Nebeneffekt, der sich schnell rumgesprochen hat. Immer mehr leidgeplagte Migränepatienten waren bereit, sich diesem Test zu stellen. Die Ergebnisse waren erstaunlich – nur bei einzelnen Betroffenen stellte sich gar keine Veränderung ein. Die meisten berichteten von einer großen Erleichterung und einer deutlichen Verbesserung der Lebensqualität.

Stress und Depressionen abbauen mit dem Shen-Men-Piercing?

Die Welt ist im Umbruch, und viele Menschen leiden unter mehr oder weniger starken Stresssymptomen und Depressionen. Ständiger Leistungsdruck, Schwierigkeiten im Berufs- oder Privatleben, Angst vor der Zukunft oder auch andere belastende Lebenssituationen können Auslöser für eine immer wiederkehrende Niedergeschlagenheit und seelische Beeinträchtigungen sein. Dem Shen-Men-Piercing wird nachgesagt, dass es dabei unterstützen kann, den Körper zu entspannen und das seelische Gleichgewicht wiederherstellen zu können.

Übergewicht – Hilft das Tragus-Piercing beim Abnehmen?

Die meisten Menschen ernähren sich unausgewogen, treiben zu wenig Sport oder führen ganz allgemein einen ungesunden Lebenswandel. Die Folge ist häufig Übergewicht. Ein Tragus-Piercing soll hier für Abhilfe sorgen und den Abnehmprozess positiv beeinflussen können. Aber funktioniert das wirklich? Hier kann gleich schon erwähnt werden, dass ein Piercing alleine keine Wunder bewirken kann. Wer wirklich abnehmen möchte, muss seine Ernährungsgewohnheiten überdenken und für ausreichend Bewegung sorgen. Das Tragus-Piercing kann hier aber dabei unterstützen, Heißhungerattacken zu verringern und ungesunden Verlockungen zu widerstehen.

Piercings an Akupunkturpunkten

Der Schlüssel für die Annahme, dass Piercings positive Auswirkungen auf Körper und Geist haben können, liegt in der Akupunktur und Akupressur. Diese Behandlungsmethoden aus der „Traditionellen Chinesischen Medizin“ (TCM) sind seit vielen Jahren adäquate Alternativen zur klassischen Schulmedizin. Bei der Akupunktur werden bestimmte Energiepunkte, die sich auf Meridianen über den ganzen Körper verteilen, mit feinen Nadeln stimuliert. Akupunktur dient dazu, energetische Blockaden aufzulösen und den Energiefluss sicherzustellen. Genau diese Methode machen sich Migräne-, Shen-Men- und Tragus-Piercings zunutze. Die Piercings werden an genau diesen speziellen Akupunkturpunkten am Ohr gesetzt. So werden die Energiepunkte nicht nur zeitlich begrenzt stimuliert (wie bei der Akupunktur), sondern dauerhaft, da der Schmuck ja im Körper verbleibt. Hier treffen also alte traditionelle Behandlungsmethoden auf den modernen Zeitgeist.

Piercer mit ausgeprägten anatomischen Kenntnisse

Wenn du mit dem Gedanken spielst, dir ein Piercing zu medizinischen Zwecken stechen zu lassen, solltest du unbedingt ein ausführliches und klärendes Gespräch mit dem Piercer deines Vertrauens führen. Nicht jeder Piercer ist mit alternativen Heilmethoden und den Akupunkturpunkten vertraut. Damit sich eine mögliche Verbesserung deines Zustands überhaupt einstellen kann, muss das Piercing exakt an der richten Stelle sitzen. Das Migränepiercing sitzt beispielsweise auf dem Nullpunkt. Dieser befindet sich an der an der Knorpelfalte über dem Gehöreingang. Der Punkt kann nicht nur geschätzt, sondern muss konkret ausgemessen werden. Gleiches gilt auch für das Shen-Men- (ein Energiepunkt innerhalb der Ohrmuschel) und das Tragus-Piercing (ein Energiepunkt am Knorpel des Gehöreingangs). Ein erfahrener Piercer ist in der Lage, diese speziellen Energiepunkte einwandfrei auszumessen und das Piercing perfekt zu stechen.

Die Lösung für alle Leidgeplagten?

Eine ultimative Lösung gegen Migräne, Übergewicht oder Depressionen gibt es nicht. Ein Heilversprechen für die Wirkung eines Piercings an speziellen Akupunkturpunkten kann nicht gegeben werden! Die zahlreichen positiven Erfahrungsberichte, die im Laufe der letzten Jahre veröffentlicht wurden, geben aber allen Grund, zuversichtlich zu sein. Die Piercings sind als gute Alternative oder Ergänzung zur klassischen Schulmedizin zu betrachten.

An dieser Stelle sei noch erwähnt, dass jeder Mensch ein Individuum ist und jedes Ohr einzigartig ist. Nicht jedes Ohr eignet sich für jedes Piercing. Gerade das Daith-Piercing lässt sich nicht bei jedem setzen, weil die kleine Ohrfalte nicht immer ausgeprägt genug ist. Ob ein Daith Piercing an deinem Ohr perfekt auf den Nullpunkt gesetzt werden kann, wird dein Piercer gerne analysieren und ausmessen.

Schulmediziner widersprechen der Wirkungsweise von Piercings

Es versteht sich fast schon von selbst, dass Schulmediziner die Wirkung von Piercings nicht anerkennen. Viele Fachärzte lehnen alternative Heilmethoden grundsätzlich ab und verschreiben lieber weiterhin starke Schmerzmittel oder Antidepressiva. Auch wenn gezielt gesetzte Piercings schon vielen Menschen zu einer Steigerung der Lebensqualität verholfen haben, so sind diese Piercings sehr umstritten. Hier stehen sich unterschiedliche Heilansätze und Therapien kontrovers gegenüber. Da es bislang keine wissenschaftlichen Studien gibt, die die Wirkungsweise von Piercings belegen, ist das sogar vollkommen verständlich. Dennoch können die vielen positiven Berichte Betroffener nicht einfach als Placeboeffekt abgetan werden. Wie viele alternative Heilmethoden ist auch das Setzen von Migränepiercings eine alternative Option, die zu hitzigen Diskussionen anregt.

Die Frage ist, welche Risiken ein solches Piercing mit sich bringt. Hier kann die Frage ganz klar beantwortet werden. Daith-, Shen-Men- oder Tragus-Piercings bergen nicht mehr Risiken als jedes andere Piercing auch. Der Heilungsprozess kann durch verschiedene Faktoren gestört oder verlängert werden. Die Gefahr von Entzündungen, Schwellungen und anderen Komplikationen steigt nicht, nur weil der Schmuck an einem Akupunkturpunkt gesetzt wird. Was kann also passieren? Im besten Fall entwickelt sich der gewünschte Effekt und deine Leiden lassen nach. Im schlimmsten Fall stellt sich keine gesundheitliche Verbesserung ein und du bleibst weiterhin in Behandlung, die dir dein Facharzt empfiehlt. Dann ist das Piercing einfach ein geschmackvolles Schmuckstück wie so viele andere Piercings auch. Ein tatsächliches Heilversprechen kann wie bei vielen anderen Behandlungsmethoden nicht gegeben werden, aber es spricht auch nichts dagegen, neuen Erkenntnissen und Entwicklungen eine Chance zu geben.